Zürcher Journalistenpreis 2000

Zum 20. Mal zeichnete am 25. Mai 2000 die Stiftung Zürcher Journalistenpreis des Zürcher Pressevereins (ZPV) besonders gelungene Arbeiten aus. Die von Gunhild Kübler präsidierte Jury ehrte vier Journalisten und zwei Journalistinnen für ihre Arbeiten, die 1999 in der NZZ, der Weltwoche, dem SonntagsBlick und dem Magazin erschienen waren.

Mit 10 000 Franken wurden Beat Kraushaar und Martin Meier für ihre Enthüllungen der Affäre Dino Bellasi ausgezeichnet. Ihre Recherchen im SonntagsBlick zeigten, dass die Presse die viel beschworene vierte Gewalt sein könne und nötigenfalls dem Staat auch eins auf die Finger haue, meinte Schriftsteller Urs Widmer in seiner Laudatio.

Je 7000 Franken erhielten Irena Brezná (Weltwoche) für ihre bewegende Schilderung des Leids von Asyl suchenden Menschen aus Kosovo in der Schweiz, die Schriftstellerin Nicole Müller für ihren witzigen und hintergründigen Erfahrungsbericht in der NZZ aus einem lesbischen Leben, und Richard Reich für seine wöchentliche Kolumne «Sportplatz» in der NZZ, die jeweils ein hochkarätiges Lesevergnügen biete. Den Swissair Preis, ein Gutschein für 5000 Franken, erhält Miklós Gimes für seine TAM-Reportage über ein Esslokal in Budapest. (nyf)

«Für eine kritische Distanz» zwischen Journalisten und Bundesrätin

Justizministerin Ruth Metzler war sicher der prominenteste unter den über hundert Gästen des Zürcher Journalistenpreises im Zunfthaus zum Neumarkt. Viele weitere bekannte Gesichter aus Politik, Wirtschaft und Medienwelt rahmten den Festakt ein. Regierungsrat Ernst Buschor vertrat mit Vergnügen seinen wegen Krankheit ausgefallenen Kollegen Christian Huber. Trix Heberlein war gekommen, Felix Gutzwiller und auch Literaturprofessor Werner Weber, Werner H. Spross gab sich ebenso die Ehre wie Emilie Lieberherr. Helen Issler, Peter Spring, Heinrich von Grünigen und Elisabeth Schnell konnten bei exquisiten warmen und kalten Häppchen und Champagner fachsimpeln.

In ihrer Ansprache vor der Preisverleihung äusserte sich Justizministerin Ruth Metzler erstmals in ihrer Amtszeit über ihr Verhältnis zu den Medien. Persönlich ärgern sie falsch wiedergegebene Fakten. Zudem findet sie es unerfreulich, dass immer wieder Behörden und Verwaltung auch heute noch hartnäckig als Sammelplätze für Unfähige dargestellt werden: «Derart destruktive Kritik untergräbt das Vertrauen in unsere Institutionen.» Mit Zeitungskommentaren hat sie weniger Probleme, so sie auf Fakten beruhen würden. Sie nehme sie ernst und versuche, ihre Schlüsse aus ihnen zu ziehen. Persönlich getroffen hat Ruth Metzler, dass in der Berichterstattung über das Disziplinarverfahren gegen ihren Ehemann in diversen Medien bereits Parallelen zum Fall Kopp gezogen worden waren. Zum Schluss zog die Bundesrätin aber eine positve Bilanz: Überwiegend werde sachgerecht Bericht erstattet. Sie plädierte für eine kritische Distanz zwischen ihr als Bundesrätin und den Journalisten, damit es zu keinen Umarmungen, fragwürdigen Deals, zu hohen Erwartungen und bitteren Enttäuschungen komme.