Zürcher Journalistenpreis 2001

Die von Andreas Isenschmid präsidierte neue Jury zeichnete fünf Arbeiten aus. Die glanzvolle Preisverleihung fand erstmals in einem Theater statt. Auf der Bühne des Theaters an der Sihl standen nicht nur die PreisträgerInnen im Scheinwerferlicht. Auch Bundesrat Kaspar Villiger fühlte sich in der animierenden Ambiance sichtlich wohl und gab in einer humorvollen Rede Auskunft über seine Einstellung zu den Medien, als Politiker wie als Privatmann. Zum Schluss brachte Kabarettist Mike Müller die Lachmuskeln der rund 150 prominenten Gäste aus der Medienwelt, Politik und Wirtschaft in Bewegung. Mittels diverser Wandkarten versuchte er die Medienlandschaft zu erklären, am eindrücklichsten wohl mit der über die Westinghouse Doppelbremse.

Die Gäste, unter ihnen auch Sigi Feigel, Myrtha Welti, Werner H. Spross, Andreas Durisch, Victor Giacobbo, Klara Obermüller, Beat Schlatter, Patrick Rohr, Helen Issler, Rudolf Gerber und viele andere, genossen den anschliessenden Apero mit warmen und kalten Häppchen und unterhielten sich bis spät in die Nacht bestens.

Die fünf ausgezeichneten Arbeiten hat die Jury aus insgesamt 144 Einsendungen ausgewählt:

  • Martin Beglinger: Tod eines Lehrers
    12'000.– Das Magazin vom 11. bis 17. November 2000
  • Alexej Djomin/Andri Bryner: Stadtbeobachter-Kolumnen
    6'000.– Der Landbote, vom 15. Juli bis 13. Sept. 2000
  • Lisbeth Herger: Ein Dorf sucht seinen Pfarrer
    6'000.– NZZ vom 10./11. Juni 2000
  • Rahel Stauber/Urs Rauber: Ex-Jugoslawen: Das neue Feindbild
    6'000.– Beobachter vom 28. April, 26. Mai, 23. Juni 2000
  • Oswald Iten: Folter und Mord im Kerker von Jayapura
    5'000.– Swissairpreis NZZ vom 22. Dezember 2000

Hauptpreis für Martin Beglinger
Die Jury richtete dieses Jahr einen Hauptpreis aus. Damit unterstrich sie die herausragende journalistische Leistung von Martin Beglinger. Wie sich journalistische Ethik mustergültig verkörpere, sehe man selten so vorbildlich wie in Beglingers Text «Tod eines Lehrers», hiess es in der Laudatio von Andreas Isenschmid.

Preis an ausländischen Journalisten
Erstmals gehört ein ausländischer Journalist zu den Preisträgern des Zürcher Journalistenpreises. Der russische Journalist Alexej Djomin aus Tatarstan weilte im letzten Sommer auf Einladung des «Landboten» für drei Monate in Winterthur. Seine eigenständigen und originellen Alltagsbeobachtungen hielt er unter Mithilfe der Lokalredaktion – in erster Linie von Andri Bryner – in einer täglichen Kolumne fest. Das Projekt sei in verschiedener Hinsicht aussergewöhnlich: in der Idee, in deren Umsetzung und in der journalistischen Qualität, meinte Jurymitglied Esther Girsberger in ihrer Laudatio.

Preis für Alltagsjournalismus
Jury-Präsident Andreas Isenschmid kündigte an, dass in Zukunft ein eigener Preis für Texte aus dem Bereich Alltagsjournalismus ausgerichtet werden soll. Damit entspricht die Stiftung Zürcher Journalistenpreis einem seit langem geäusserten Wunsch vieler Journalisten, nicht nur «grosse Kisten» auszuzeichnen, sondern auch herausragende Formen von alltäglicher «Knochenarbeit» zu würdigen. (nyf)