Zürcher Journalistenpreis 2003

Margrit Sprecher (Gesamtwerk), Daniel Germann (Alltagsjournalismus), Cornelia Kazis, Michael Marti, Bernhard Odehnal und René Staubli heissen die Gewinner des Zürcher Journalistenpreises 2003. Ehrengast an der Preisverleihung vom 8. Mai in Zürich war Bundesrätin Micheline Calmy-Rey.

An der feierlichen Ehrung im Zürcher Theater Neumarkt nahmen zahlreiche prominente Vertreter aus Wirtschaft, Medienwelt und Politik teil. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey gab in ihrem Referat Einblick in ihr Verhältnis zu den Medien. Danach würdigte die Jury die sechs preisgekrönten Arbeiten, die sie aus insgesamt 152 Artikeln ausgewählt hatte.

  • Margrit Sprecher 8000.- Preis für das Lebenswerk
  • Daniel Germann: Artikelreihe Enthüllungen im Fall Kohler
    5000.- Preis für Alltag/Kleine Form
    Tages-Anzeiger
  • Cornelia Kazis: Swissair-Serie
    5000.- NZZ Folio Januar 2002
  • Michael Marti: Bitte, bitte ein Bier!
    5000.- NZZ am Sonntag vom 11. August 2002
  • Bernhard Odehnal: Mejra, was wird aus uns?
    5000.- Weltwoche vom 12. Dezember 2002
  • René Staubli: Dynamik des freien Falls
    5000.- Weltwoche vom 11. Juli 2002

Wieder Preise für Gesamtwerk und Alltagsjournalismus
Die Jury hat dieses Jahr zum zweiten Mal einen Preis für Texte verliehen, die aus dem Alltag heraus entstanden sind. Der Preisträger heisst Daniel Germann, Sportreporter beim Tages-Anzeiger. In seiner Artikelreihe zum Fall Kohler hat Daniel Germann recherchiert, hat für erhaltene Tipps Bestätigung gesucht, war aber auch von Zweifeln befallen, wie Barbara Bürer in ihrer Laudatio erklärte. Denn mit dem Präsidenten des Schweizer Eishockeyverbandes, der in der Folge zu Fall kam, verbanden den Autor gute Beziehungen. Daniel Germann habe bewiesen, dass man auch im Sportjournalismus durchaus kritisch bleiben kann.

Ebenfalls zum zweiten Mal wurde eine Auszeichnung für das Gesamtwerk vergeben. Bei Margrit Sprecher werde dank ihrer genauen Beobachtung, der fulminanten Sprache und ihrem Temperament jeder Text zu einem Lesegenuss, so Yvonne-Denise Köchli in ihrer Laudatio. Auch nach 45 Jahren und Hunderten von Gerichtsberichten, Kolumnen, Reportagen und Kommentaren habe Margrit Sprecher eine ungebrochene Begeisterung für den Journalismus.

Cornelia Kazis wurde für ihre Spital-Reportage ausgezeichnet, in der sie sich feinfühlig und präzise mit dem Ekel befasste, der das Pflegepersonal im Umgang mit fremden Körpern befassen kann. Michael Marti erhielt den Preis für seine prägnanten und witzigen Beobachtungen in der Gastroszene. Bernhard Odehnal wurde gewürdigt für seinen Bericht über einen sinnlosen Mord an einer Bosnierin in Zürich und die zerstörerische Wirkung des Hasses – entstanden in einem Krieg, der nicht vorbei ist. Eine Auszeichnung ging an den Wirtschaftsjournalisten René Staubli für seine Darstellung von Aufstieg und Fall des Rolf Hüppi, verbunden mit einer akkuraten und fundierten Analyse der «Zürich».