Zürcher Journalistenpreis 2005 geht an sieben Journalisten

Die feierliche Ehrung fand nach dem letztjährigen Abstecher nach Winterthur wieder an der Limmat statt - im Miller's Studio in der Mühle Tiefenbrunnen - in Anwesenheit von zahlreichen prominenten Gästen aus Medienwelt, Wirtschaft und Politik. Der bekannte deutsche Medienanwalt Matthias Prinz sprach über das «Caroline-Urteil» des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und seine Folgen für die Medien. Gemäss seiner Einschätzung wird die Pressefreiheit im investigativen Journalismus, dort also, wo es für die Gesellschaft relevant sei, keineswegs beschnitten. Dort wo es allerdings nur um die Unterhaltung auf Kosten anderer gehe, sei mit diesem Urteil ein Riegel geschoben worden.

Danach würdigte die Jury die Werke der sieben Preisträger. Insgesamt waren 137 Arbeiten eingesandt worden.

  • Manfred Papst Preis für Alltagsjournalismus/Kleine Form
    6'000.- Kamasutra? Dorma bain!
    NZZ am Sonntag vom 21. November 2004
  • Thomas Angeli und Daniel Benz
    Hooligans: Der Kick nach dem Kicken
    7'000.- Beobachter vom 14. Mai 2004
  • Rico Czerwinski
    Schande
    7'000.- Das Magazin vom 26. Juni 2004
  • Nico Renner
    «Was mir wichtig war, wollte keiner hören»
    7'000.- Der Landbote vom 24. November 2004
  • Meinrad Ballmer und Marco Zanchi
    Artikelreihe im Rahmen der Enthüllungen im Fall Behring
    8'000.- Tages-Anzeiger zwischen März und Oktober 2004
Die Jury hat den Preis für einen Text, der aus dem Alltag heraus entstanden ist, an Manfred Papst vergeben. In seiner Kolumne zur Neuauflage des Kamasutra, den uralten Weisheiten zur Liebeskunst, lerne man bei Papst, dass man dem Bedeutungsschwangeren auch banale Seiten abgewinnen könne, erklärte Jurorin Susanne Mühlemann.

Fussballspiele seien auch in der Schweiz vielfach von Ausschreitungen begleitet. Thomas Angeli und Daniel Benz sei es gelungen, mit Hooligans in Kontakt zu treten und ihren Motiven auf die Spur zu kommen. Dank ihrer Analyse verstehe man diese neue Gewaltszene besser und sei bestürzt über die an den Tag gelegte Selbstverständlichkeit, so Juror Felix E. Müller.

Die Bluttat in Zürich-Witikon - ein Ehepaar tötet sich und seine Kinder - wird von Rico Czerwinsky aufgearbeitet. Sein schnörkelloser und niemals eitler Text, so Jurorin Margrit Sprecher, sei weit mehr als die Chronik einer beklemmenden Familientragödie, es sei der Spiegel einer Gesellschaft, in der Status alles sei.

Statt den dritten Jahrestag des Flugzeugabsturzes mit einem Bild und Legende abzuhaken, hat Nico Renner jene Frau aufgesucht, die damals als Überlebende den Medien Auskunft gegeben hat. In seinem kühlen und präzisen Text gehe Renner den Mechanismen und Auswirkungen der Katastrophenberichterstattung mit ihren zahlreichen Un-Fragen nach.

Relevanz wirke neben Originalität und Brisanz schon fast etwas angejahrt, sagte Jury-Präsident Fredy Gsteiger. Erst recht wolle man deshalb die durch und durch relevante Artikelreihe der Wirtschaftsjournalisten Meinrad Ballmer und Marco Zanchi über das System Dieter Behring auszeichnen. Ihre Recherchen, die den bejubelten Behring als Hochstapler entlarvten, hätten massgeblich dazu beigetragen, ihm das Handwerk zu legen.