Zürcher Journalistenpreis 2006: Fünf Arbeiten und ein Lebenswerk

Peter Baumgartner (Gesamtwerk-Preis), René Brunner (Alltag/Kleine Form), Ursula Gabathuler, Hansi Voigt, Christoph Scheuring, Peer Teuwsen und Karin Wenger heissen die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner des Zürcher Journalistenpreises 2006. Ehrengast der Preisverleihung in Zürich war Regierungsrat Markus Notter.

An der Feier im ZKO-Haus des Zürcher Kammerorchesters im Seefeld waren viele prominente Gesichter aus Wirtschaft, Medien und Politik auszumachen. Vor der Würdigung der fünf prämierten Arbeiten und des Gesamtwerks durch die Jury gab Regierungsrat Markus Notter Einblick in sein Verhältnis zu den Medien. Lorenz Keiser setzte den satirischen Schlusspunkt und sorgte damit für viele Lachtränen.

Die fünf ausgezeichneten Arbeiten hat die Jury aus insgesamt 154 Einsendungen ausgewählt:

  • Peter Baumgartner
    Preis für das Gesamtwerk
    10'000.- Tages-Anzeiger
  • Peer Teuwsen
    Der meistgehasste Türke
    7'000.- Das Magazin, 5. Februar 2005
  • Hansi Voigt / Ursula Gabathuler
    Sozialhilfe: Was ist Armut?
    5'000.- Beobachter, 13. Mai 2005
  • Christoph Scheuring
    Szenen einer Ehe
    5'000.- SIE+ER, SonntagsBlick Magazin, 16. Oktober 2005
  • Karin Wenger
    Wenn Beduinen lieben
    5'000.- NZZ, 15. / 16. Oktober 2005
  • René Brunner Preis für Alltag / Kleine Form:
    3'000.- Die Republik fackelt nicht lange
    SonntagsZeitung, 13. November 2005

Leidenschaftlicher Journalist der alten Schule

Die Jury richtete dieses Jahr einen Hauptpreis für das Gesamtwerk aus. Damit unterstrich sie die herausragende journalistische Leistung von Peter Baumgartner. Während 32 Jahren war dieser für den Tages-Anzeiger tätig, die letzten 10 Jahre berichtete er aus Afrika. Der leidenschaftliche Journalist alter Schule habe mit den Afrikanern geredet, sei mit ihnen gereist, und habe der Leserschaft so den Kontinent im wahrsten Sinne des Wortes «von unten» näher gebracht, sagte Esther Girsberger in der Laudatio.

Peer Teuwsens Gespräch mit dem türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk sei um die Welt gegangen, hiess es in der Laudatio von Fredy Gsteiger. Pamuks kritische Äusserungen zu türkischem Nationalismus und Islamismus hätten ihm in der Türkei einen Prozess eingetragen, was zu reden gab. Das gut geführte und wichtige Interview habe grosse Wirkung gezeigt.

Mit ihrem Artikel über die Sozialhilfe haben Hansi Voigt und Ursula Gabathuler das Thema Armut auf eine konkrete Ebene herunter geholt. Erst dies mache eine echte gesellschaftspolitische Diskussion möglich, würdigte Susanne Mühlemann die prämierte Arbeit.

Christoph Scheurings Porträt über den Formel 1-Reporter Roger Benoit «grenzt ans Sezieren am lebendigen Leib», sagte Margrit Sprecher. Dabei habe der Autor bei aller Intimität nie die Distanz verloren.

Karin Wengers Reportage über die Beduinen in der israelischen Negev-Wüste sei eine beklemmende, präzise Beschreibung des Innenlebens eines Clans, so Peter Studer in der Würdigung.

Der Preis für Alltag/Kleine Form erhielt René Brunner für eine Reportage über die Schnellprozesse rund um die französischen Banlieue-Krawalle. Er habe die Hintergründe der Unruhen sichtbar gemacht, sagte Andrea Masüger.