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Preisverleihung 2011 - die Berichte

Beiträge aus Tages-Anzeiger, NZZ, Landbote und Mediendiensten sowie sämtliche Links zur Debatte über die Preisverleihung in der Blogospähre (ganz unten).

Tages-Anzeiger, 25. Mai 2011

Sie beschreiben, decken auf und ordnen ein, entlarven – und werden dafür ausgezeichnet
Sechs Medienleuten von «Tages-Anzeiger», «Landbote» und «Beobachter» wurde gestern der Zürcher Journalistenpreis verliehen.

Von Patrick Kühnis
Winterthur – «Gut gemachter Journalismus hat auch kommerziell eine Zukunft.» Das sagt nicht etwa ein Medienmensch, sondern CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner, der gestern als Ehrengast an der Verleihung des Zürcher Journalistenpreises 2011 auftrat. Der Banker stört sich auch nicht an kritischen oder polemischen Artikeln über sich. Ihn ärgern nur «schludrig» recherchierte Geschichten: «Es gibt keinen guten Midrisk-Journalismus – weder am Wochenende noch unter der Woche.»

Ein Wort zog sich wie ein roter Faden durch die Lobreden, als im Winterthurer Casinotheater die mit je 10 000 Franken dotierten Preise vergeben wurde: Aufklärung. «Er klärt auf, indem er Sachverhalte nicht nur beschreibt, sondern sie auch unermüdlich einordnet», sagte die Jury über Michael Meier, der den Hauptpreis für sein Gesamtwerk erhielt. Der 55-jährige Journalist schreibt seit bald 25 Jahren im «Tages-Anzeiger» über Religion und Gesellschaft.

Michael Meier entschloss sich nach seinem Theologiestudium, «lieber über die römisch-katholische Kirche zu schreiben, statt in ihr zu arbeiten», weil ihm diese Institution eher fremd erschien. Umso neugieriger tauchte er als Rechercheur in diese Welt ein, «in der vieles nur im Verborgenen abläuft». Der Fall Haas versorgte ihn von Anfang mit Schlagzeilen, doch sein Spezialgebiet stiess nicht nur auf Gegenliebe. «Die vielen Alt-68er beim ‹Tages-Anzeiger› hatten anfänglich grosse Vorbehalte gegen meine religiösen Themen.»

Die falsche Astronautin

Aufklärungsarbeit ganz anderer Art leistete letzten August Meiers TA-Redaktionskollege Maurice Thiriet, als sein Artikel «Die eingebildete Astronautin» erschien. Es ging darin um eine junge Toggenburgerin, die von Presse, Funk und Fernsehen als zukünftige Nasa-Astronautin gefeiert wurde – was Thiriet als Fantasiegebilde entlarvte. Gerüchte, dass an der fabelhaften Karriere im All etwas faul war, gab es schon vorher. Doch Skeptiker wurden mit Klagedrohungen mundtot gemacht. Der 30-jährige Journalist ging der Sache trotzdem auf dem Grund – und hatte nach einem nächtlichen Anruf in den USA Gewissheit. «Verdienstvoll», fand die Jury des Zürcher Journalistenpreises – und verlieh ihm den Nachwuchspreis. «Wenn es um den Sachverhalt geht, ist Faktentreue geboten statt Imagination», so Präsident Fredy Gsteiger (Radio DRS). Die Astrophysikerin wiederum zerrte Thiriet vor den Richter. «Ein Verfahren, dessen Ausgang wir gelassen entgegensehen», wie Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer sagt.

Als Beispiel dafür, dass die Presse nicht nur informieren, sondern auch aufklären soll, lobte die Jury die Serie «Armut in Winterthur» von «Landbote»-Redaktorin Katharina Baumann. In einfühlsamen, aber nicht larmoyanten Texten gebe sie den 8000 Menschen ein Gesicht, die in dieser Stadt am Existenzminimum lebten. Die 31-Jährige teilt sich den mit 10 000 Franken dotierten Preis in der Kategorie Zeitung mit ihrer 52-jährigen Redaktionskollegin Dagmar Appelt. Ihre Serie drehte sich um die Geschichte des Schlachtkalbs Leo, das kurz vor der Metzgerei ausbüxte, in einem Tierasyl Aufnahme fand und Weihnachten im Tierspital feierte – für die Jury ein «spannender, lustiger Fortsetzungsroman».

Missstände aufgedeckt

Für ihre Arbeit über Heim- und Verdingkinder erhielten die beiden «Beobachter»-Autoren Dominique Strebel und Otto Hostettler den Preis in der Kategorie Zeitschrift. Sie haben laut Jury dazu beigetragen, einen Missstand aufzudecken und Wiedergutmachung einzufordern. Letztes Jahr entschuldigte sich Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf bei den Betroffenen. Ein Armutszeugnis für die Schweiz, wie Strebel fand. Denn der Schriftsteller Carl Albert Loosli hatte dieselben Missstände schon 1938 angeprangert.

NZZ, 25. Mai 2011

Faktentreue und Phantasie

Verleihung des 31. Zürcher Journalistenpreises in Winterthur

ale. Gut und wahr sollen Geschichten sein - und womöglich auch noch aufklären. Dies ist bei der Verleihung des 31. Zürcher Journalistenpreises am Dienstagabend im Casinotheater Winterthur deutlich geworden. Aus den 120 eingereichten Arbeiten hatte die 5-köpfige Jury 6 ausgewählt; die Preise werden in 4 Kategorien vergeben und sind mit je 10 000 Franken dotiert. Für das Gesamtwerk wurde Michael Meier geehrt, der seit fast 25 Jahren als Fachjournalist beim «Tages-Anzeiger» über Religion und Gesellschaft schreibt. Meier sei in seinem Fach ein «Kulturkritiker im besten Sinne des Wortes», sagte Jurymitglied Marco Meier in seiner Laudatio. Er kläre auf, indem er Sachverhalte nicht nur beschreibe, sondern zugleich auch unermüdlich einordne.

Den Preis in der Kategorie «Zeitung» konnten Dagmar Appelt und Katharina Baumann vom «Landboten» entgegennehmen. Sie seien der Jury mit aufwendigen Serien aufgefallen, lobte Jurymitglied Andrea Masüger. Appelt hatte in mehreren Beiträgen den Weg eines Stiers in die Freiheit nachgezeichnet, Baumann in verschiedenen Artikeln das Thema «Armut in Winterthur» beleuchtet. Die beiden Autorinnen hätten gezeigt, dass aufwendiger und damit besonders wertvoller Journalismus trotz angeblich fehlendem Geld in der Branche möglich sei.

In der Kategorie «Zeitschrift» erhielten die «Beobachter»-Autoren Dominique Strebel und Otto Hostettler die Auszeichnung für ihren Artikel über Heim- und Verdingkinder. Ihnen sei das gelungen, worauf Journalismus im besten Falle abziele, sagte Jurymitglied Susanne Mühlemann. Sie hätten mitgeholfen, einen Missstand aufzudecken und Wiedergutmachung einzufordern - soweit dies überhaupt möglich sei.

Den Preis in der Kategorie «Nachwuchs» holte Maurice Thiriet, Inlandredaktor des «Tages-Anzeigers». Er war der Geschichte einer jungen Frau aus dem Toggenburg auf den Grund gegangen, die es angeblich zur Nasa-Astronautin geschafft hatte, und entlarvte diese Story als «stratosphärisch», wie Jurypräsident Fredy Gsteiger es formulierte. Dieser lobte besonders, der Journalist habe sich nicht von «forschen Aussagen blenden lassen», die im heutigen Medienbetrieb gerne gemacht würden. Gsteiger betonte, ein bisschen Phantasie tue auch dem Journalismus gut, aber wenn es um den Sachverhalt gehe, sei Faktentreue geboten.

Als Gastredner und Ehrengast hatte die Stiftung Zürcher Journalistenpreis, die beim Zürcher Presseverein angesiedelt ist, Urs Rohner eingeladen. Der Wirtschaftsjurist, seit April Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, sprach unter anderem über die Zukunftsaussichten des Printjournalismus, die er optimistisch sieht. Ihm sei wichtig, dass das, was geschrieben wurde, wahr und faktisch zutreffend sei. «Gut und wahr sollen die Geschichten sein», sagte Rohner. Den satirischen Schlusspunkt setzte der Kabarettist Lorenz Keiser. Er behandelte den Wandel der Sprache. Dabei nahm er unter anderem die Schweizer Parteien aufs Korn und imitierte Ausdrucksweisen der Teenager. In der heutigen, laut ihm so knappen Sprache kündigte er dann auch den anschliessenden Apéro an: «Jetzt suffa!»


Der Landbote, 25. Mai 2011

Ein Preis für «besonders wertvollen» Journalismus

Ehre, wem Ehre gebührt: Zwei «Landbote»-Redaktorinnen sind gestern mit dem Zürcher Journalistenpreis 2011 ausgezeichnet worden.

Er gilt als die renommierteste Auszeichnung der Schweizer Medienbranche. Und damit auch als eine der begehrtesten. Entsprechend heiter war gestern Morgen die Stimmung auf der «Landbote»-Redaktion, als offiziell bekannt wurde, dass der 31. Zürcher Journalistenpreis gleich an zwei Kolleginnen verliehen werde: Katharina Baumann und Dagmar Appelt heissen die diesjährigen Preisträgerinnen der Kategorie Zeitung. Erhalten haben die beiden den Preis ex aequo für zwei im Regional- beziehungsweise im Stadtteil erschienene Artikelserien: «Leos Weg in die Freiheit» (Appelt) und eine Folge zum Thema «Armut in Winterthur» (Baumann).

Gegenbeweis erbracht

In letzter Zeit werde viel über die Schweizer Zeitungen geklagt, sagte am Abend Jurymitglied (und CEO der «Südostschweiz Medien») Andrea Masüger anlässlich der Preisübergabe im Casino. Deren Arbeit sei allgemein oberflächlicher, ihre Qualität schlechter geworden, heisse es; für längere Recherchen, für «aufwendigen und damit besonders wertvollen Journalismus» fehle das Geld. Eine These, die «bis weit ins Bundeshaus hinein nachgebetet» werde. Die beiden Preisträgerinnen und mit ihnen auch der «Landbote» seien gleichsam die Antithese zur herrschenden Mainstream-Meinung. Zudem widerlegten sie ein weiteres Vorurteil; nämlich, dass sich im Journalismus nur mit schlechten Nachrichten gute Storys machen liessen.

Die von Dagmar Appelt geschriebene Geschichte vom ausgebüxten Stierkalb Leo, das – dem Schlachtmesser entronnen – dank eines Gönners in einem Tierasyl Aufnahme fand, sei so zu einem «spannenden, lustigen und auch anrührigen Fortsetzungsroman geworden». Der übrigens auch bei der Leserschaft Anklang fand, wie damals vielen Leserreaktionen zeigten. (Leo geht es übrigens blendend, wie sich die Autorin bei einem kürzlichen Besuch versichern konnte.)

Berührende Texte

Ganz anders die zehnteilige Artikelserie, in der sich Katharina Baumann mit den vielen Facetten der Armut «mitten unter uns» befasste. Als «einfühlsam, aber nicht larmoyant geschriebene Texte» würdigte Masüger die Geschichten vom Alltag betroffener Menschen, die allesamt am Existenzminimum leben müssen. Dass Baumanns Beiträge im letzten Herbst auch viele Leserinnen und Leser berührten, bewiesen die zahlreichen spontanen Spenden nach dem Erscheinen des Porträts einer alleinerziehenden «Working Poor», deren Sohn aus Geldmangel nicht ins Ferienlager durfte.

Analyse und Enthüllung

An der von Kabarettist Lorenz Keiser mit eigenwilligen sprachhistorischen Betrachtungen aufgelockerten Preisverleihung wurden auch folgende Berufsleute geehrt: Religionsfachmann und -journalist Michael Meier («Tages-Anzeiger») für sein Gesamtwerk, Otto Hostettler und Dominique Strebel («Beobachter») für einen Beitrag über das Schicksal von zwangsversorgten Jugendlichen und Verdingkindern und Maurice Thiriet («Tages-Anzeiger») für seine Enthüllungsgeschichte über die «falsche Astronautin» Barbara Burtscher. Die vier Preise sind mit je 10 000 Franken dotiert.

Jean-Pierre Gubler

Kleinreport, 25. Mai 2011

«Landbote»- und «Beobachter»-Duo geehrt

An der Feier zur Verleihung des 31. Zürcher Journalistenpreises, die in diesem Jahr wieder im Winterthurer Casinotheater stattfand, nahmen zahlreiche prominente Gäste aus Wirtschaft, Medien und Politik teil. Vor der Würdigung der ausgezeichneten Arbeiten und des Gesamtwerks durch die Jury referierte Urs Rohner, seit Ende April Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse. Den satirischen Schlusspunkt des Anlasses setzte der Kabarettist Lorenz Keiser. Zweimal erntete während der Feier aber ein Duo Applaus: Dagmar Appelt und Katharina Baumann vom «Landboten» triumphierten in der Kategorie Zeitung, Otto Hostettler und Dominique Strebel vom «Beobachter» in der Kategorie Zeitschrift.

Die beiden Preisträgerinnen Dagmar Appelt und Katharina Baumann, an die die Auszeichnung in der Kategorie Zeitungen ging, seien der Jury mit «aufwendigen Serien, die in bis zu zehn Teilen erschienen sind», aufgefallen. «Beide arbeiten für den `Landboten`, eine vergleichsweise kleine Regionalzeitung, die den Mut hat und die Ressourcen bereitstellt, solche fundierten Artikelreihen möglich zu machen», hielt Jurymitglied Andrea Masüger in seiner Würdigung fest. Dagmar Appelt zeichnete in Beiträgen, die vom 13. April bis 24. Dezember 2010 erschienen sind, den Weg des Stiers Leo in die Freiheit nach. Katharina Baumann beleuchtete in mehreren, vom 28. August bis 18. September 2010 erschienenen Artikeln, das Thema Armut in Winterthur.

«Den `Beobachter`-Autoren Dominique Strebel und Otto Hostettler, ausgezeichnet mit dem Preis in der Kategorie Zeitschriften, ist das gelungen, worauf Journalismus im besten Falle abzielt», sagte Jurymitglied Susanne Mühlemann. Der am 3. September 2010 publizierte Artikel über Heim- und Verdingkinder, Jugendliche aus ungeordneten oder schwierigen Familienverhältnissen, die von Behörden für unbestimmte Zeit ins Gefängnis oder in geschlossene Anstalten gesteckt wurden, gehe unter die Haut. «Strebel und Hostettler haben mitgeholfen, einen Missstand aufzudecken und Wiedergutmachung einzufordern», würdigte Mühlemann. Der Artikel habe zudem Wirkung gezeigt, in dem er zu einer offiziellen Entschuldigung durch die Behörden führte und in einen politischen Prozess mündete.

Die ausgezeichneten Artikel sämtlicher Preisträger sind unter www.zh-journalistenpreis.ch/pdf/2011/ZJP_11.pdf abrufbar.


persoenlich.com, 24. Mai 2011
 
Zürcher Journalistenpreis - Michael Meier ausgezeichnet
 
Ehre für Kirchenjournalist.

Michael Meier, Dagmar Appelt und Katharina Baumann, Otto Hostettler und Dominique Strebel sowie Maurice Thiriet sind die Gewinner des Zürcher Journalistenpreises 2011, welcher am Dienstagabend im Casinotheater Winterthur verliehen wurde.

Michael Meier, der den Preis für sein Gesamtwerk erhielt, ist Fachjournalist für Religion und Gesellschaft und schreibt seit bald 25 Jahren für den "Tages-Anzeiger". Meier sei ein "Kulturkritiker im besten Sinne des Wortes", schreibt die Stiftung Zürcher Journalistenpreis. Meier kläre auf, indem er Sachverhalte nicht nur beschreibe, sondern zugleich unermüdlich einordne. "persoenlich.com" hat Michael Meier nach der Preisverleihung zu einem kurzen Interview getroffen.

Herr Meier, Sie haben in Ihrer Dankesrede angedeutet, dass Sie "Visionen verwirklichen wollen". Was meinen Sie damit?
- Ich würde gerne ein Buch schreiben. Kein Sachbuch, sondern Belletristik. Dabei wird es sich um meine Themen gehen, jedoch nicht vom beobachtenden, äusseren Standpunkt sondern in Romanform.

Ist dieses Buch erst in Ihrem Kopf oder gibt es bereits Entwürfe?
- Bis anhin ist es nur in meinem Kopf, aber ich habe einen Plot. Dann gibt es noch ein anderes Projekt, das mich interessiert. Ich würde gerne bei einem Alphabetisierungs- oder bei Medienprojekte in Zentralamerika mitarbeiten, in Nicaragua oder Honduras. Ob ich das machen werde, weiss ich noch nicht.

Als Religions- und Kirchenspezialist beschäftigen Sie sich mit Randthemen. War Ihre Stelle bei den diversen Sparrunden bei Tamedia nie in Frage gestellt?
- Nein. Im Gegenteil, denn in letzter Zeit wandelte sich einiges. Als ich vor 25 Jahren anfing beim Tagi, war Religion marginalisiert. Doch dann kam Bischof Haas, der viele Schlagzeilen brachte und damit kontinuierliche Berichterstattung. Nun ist es der Islam, der viel von sich reden macht. Religions- und Kirchenthemen sind schon gefragt. Auf diesem Gebiet sind sehr spannende Recherchen möglich.

Sie kritisieren das Christentum, die Kirche und Rom. Sehen Sie auch Positives?
- Ja sicher. Positives sehe ich im caritativen Engagement, hier haben die Kirchen viel Gutes getan. Im 19. Jahrhundert schafften die Frauenkongregationen Bildungsmöglichkeiten für Frauen in Spitälern, Altersheimen und in Schulen. Auch die Universitäten entstanden aus der Kirche heraus.

Und heute?
- Heute ist es schwieriger. Aber etwa auch die Zürcher Kirche leitet Gutes. Doch diese caritativen Arbeiten könnte auch eine private Organisation machen. Dafür braucht es grundsätzlich keine Kirche.

Zahlen Sie Kirchensteuer?
- Ja, denn die Volkskirche finde ich gut - ich unterstütze sie gerne. Ich will von dieser Institution auch mal beerdigt werden.

Was tun Sie mit den 10‘000 Franken Preisgeld?
- Ich würde gerne ein Sabbatical machen, dabei meinen Horizont etwas erweitern. Gerne würde ich in ein arabisches Land reisen. Das wäre interessant, jetzt nach den Revolutionen. Oder auch Mittelamerika würde mich reizen.

Weitere Auszeichnugen:

Der Preis in der Kategorie Zeitung ging an die "Landbote"-Journalistinnen Dagmar Appelt und Katharina Baumann. Beide seien der Jury für ihre "fundierten Artikelreihen" aufgefallen. Appelt zeichnete in mehreren Beiträgen den Weg eines Stieres in die Freiheit nach, während Baumann die Armut in Winterthur zum Thema machte.

Für ihren Artikel über Heim- und Verdingkinder wurden die beiden "Beobachter"- Autoren Dominique Strebel und Otto Hostettler mit dem Preis in der Kategorie Zeitschrift geehrt. Ihr Beitrag habe mitgeholfen, einen Missstand aufzudecken und Wiedergutmachung einzufordern. Konkret habe ihr Artikel zu einer offiziellen Entschuldigung geführt und einen politischen Prozess in Gang gesetzt.

Die ausgezeichneten Arbeiten können auf zh-journalistenpreis.ch angeschaut werden. (eh)

persoenlich.com, 24. Mai 2011

Zürcher Journalistenpreis - Nachwuchspreis für "Tagi"-Redaktor
 
Ehrverletzungsklage hängig.
 
Am Dienstagabend sind im Casinotheater Winterthur sechs Journalisten mit dem mit 10‘000 Franken dotierten Zürcher Journalistenpreis 2011 ausgezeichnet worden "persoenlich.com" berichtete.

Der Preis in der Kategorie "Nachwuchs" ging an Maurice Thiriet, Inlandredaktor des "Tages-Anzeigers". Er habe die Geschichte einer jungen Frau aus dem Toggenburg, welche es zur Nasa-Astronautin gebracht habe, als "stratosphärische" Story entlarvt. Die Astrophysikerin war seit Sommer 2009 in verschiedenen Medien - auch im Fernsehen - präsent gewesen. Dabei entstand der Eindruck, die Frau sei auf dem Weg, eine Nasa-Astronautin zu werden. In seinem im August 2010 erschienenen Artikel "Die eingebildete Astronautin" wies Thiriet dann auf verschiedene Widersprüche hin. "persoenlich.com" hat ihn kurz befragt.

Herr Thiriet, Barbara Burtscher wurde hochgejubelt und dann fallen gelassen. So was ist keine Seltenheit im Medienalltag. Warum hat Sie dieser Fall interessiert?
- Ich kannte den Namen Barbara Burtscher vor der Recherche gar nicht. Ich wurde eineinhalb Jahre vorher Vater und dann hört man ja auf, Fernsehen zu schauen. Und den People-Teil der Ringier-Medien hatte ich auch nicht verfolgt. Daher wusste ich nicht, wer Barbara Burtscher überhaupt war. Im Nachhinein war das vielleicht ein Vorteil. Denn so konnte ich unvorbelastet an die Geschichte heran gehen. Es stellte sich dann heraus, dass diese Frau viel bekannter war, als ich mir bewusst war. Ich sah einfach bei der Recherche, dass gewisse Dinge nicht stimmen konnten. Ich wusste zum Beispiel von Experten, dass die ESA und die Nasa nur sehr selten Astronauten-Bewerbungsverfahren durchführen. Die letzten lagen offenbar erst ein oder zwei Jahre zurück. Und aus Zehntausenden Bewerbern werden jeweils sieben oder acht ausgewählt. Da wusste ich, dass Barbara Burtscher niemals Astronautin im Sinne eines Claude Nicollier oder eines Neill Armstrongs würde, die im Auftrag eines Staates, eines Staatenbundes oder der Wissenschaft auf fremde Planeten fliegen würde, wie das in den Medien gerne dargestellt worden war.

Wegen des prämierten Artikels haben Sie nun eine Klage wegen Ehrverletzung am Hals.
- Das lässt sich manchmal nicht vermeiden. Die Klage liegt beim Bezirksgericht Zürich, dort wird sie nun beurteilt. Wann ein Entscheid zu erwarten ist, kann ich nicht sagen. Das kann lange gehen, vielleicht ein Jahr oder länger. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Wir blicken dem Ausgang des Prozesses jedoch gelassen entgegen.

Wie lange recherchierten Sie für den Artikel?
- Vier Tage und zusammengerechnet etwa eine zusätzliche Nacht. Ich musste mit Amerika telefonieren, dies konnte ich aufgrund der Zeitverschiebung erst nach 17 Uhr. In meiner Recherche habe ich telefonisch, über’s Web und Datenbanken nach Informationen gesucht. Ausserdem besuchte ich Frau Burtscher im Toggenburg und habe sie dort mit den Vorwürfen konfrontiert. Andere Journalisten hätten vielleicht eine Stunde vor dem Druck angerufen oder eine Mail geschrieben und eine Stellungnahme verlangt, die sowieso nicht berücksichtigt worden wäre. Das ist unseriös. Ich ging bewusst und angemeldet zu ihr nach Hause. Ich wollte wissen, was für ein Mensch sie ist und wollte ihr die nötige Zeit geben, die Vorwürfe zu entkräften.

Andere Journalisten hätten allenfalls aus juristischen Gründen vor einer vertieften Recherche zurückgeschreckt. Hat Sie jemand abgehalten?
- Nein.

Sie sind Inlandredaktor, schreiben beim "Tages-Anzeiger" zudem oft über Medienthemen: TV-Kritiken, über die Differenzen zwischen SRF und der "Weltwoche", über die "Baz", usw. Was fasziniert Sie am Medienjournalismus?
- Nichts. Ich mache das nur, weil es Constantin Seibt nicht macht. Er wäre eigentlich unser Medienredaktor.

An der Ringier-Medienkonferenz forderten Sie einen Gratis-Zugang zu den Ringier-Apps. Gleichzeitig beklagen Sie die Sparmassnahmen der Verlage. Geht das zusammen?
- Die Ringier-App ist mir einfach zu teuer. Ich finde schon auch, dass man für Informationen Geld verlangen soll. Aber für Ringier bin ich sehr wertvoll, denn ich mache dort Qualitätssicherung, so gut es geht.

Sie machen Qualitätssicherung bei Ringier?
- Ich habe bei der Bilanz-Medienkonferenz von Michael Ringier verlangt, er müsse bei seinen Blättern die Trennung zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt transparenter machen. Diese Trennung ist nämlich nicht mehr klar, wenn einem Goodnews gehören und Betty Bossi. Plötzlich gab es ja die Titelgeschichte in der "Schweizer Illustrierten", wo transparent war, dass dies ein Text der Credit Suisse war. Jetzt bilde ich mir ein, dass ich hier einen Teil dazu beigetragen habe.

Welches ist Ihr nächstes Karriereziel?
- Ich will werden wie Dominique Eigenmann. Er ist Nachrichtenchef beim "Tages-Anzeiger". Er ist super, hochkompetent - ein studierter Philosoph.

Maurice Thiriet (31) ist Inlandredaktor des "Tages-Anzeiger" seit 2008. Zuvor hat er Politologie, Publizistik, Geschichte, Militärgeschichte und Kriminologie studiert und seine journalistische Laufbahn als Redaktor bei "persoenlich.com" begonnen. (eh)
 

infamy, 25. Mai 2011

Journalistische Glaubwürdigkeit

Die Autoren des Basler Weblogs Infamy, die sich über eine indirekte Ehrung freuen, weisen darauf hin, dass die Ungereimtheiten zu dem Fall der Astronautin schon über ein halbes Jahr vor Erscheinen des Artikels von Maurice Thiriet publik gemacht worden sind.  Die Berichte von Infamy dazu finden sich hier:

http://infam.antville.org/stories/2063245/

http://infam.antville.org/stories/2013038/

http://infam.antville.org/stories/1968051/


benkoe.ch, Thomas Benkoe, 25. Mai 2011

Bitchfight
Heute: Infamy vs. Thiriet #journipreis

Thomas Benkoe dokumentiert die Debatte um die Frage, wem die Ehre gebührt.
http://www.benkoe.ch/2011/05/abt-bitchfight-heute-infamy-vs-thiriet-journipreis/


Bobby California, 25. Mai 2011

Journalistenpreis und Bloggerneid
zum gleichen Thema
http://bobbycalifornia.blogspot.com/2011/05/journalistenpreis-und-bloggerneid.html

Philippe Weltis Blog Medien und PR: Verstehen, was ist, 26. Mai 2011

“Gute Geschichten sind wie gute Frauen”…
http://www.welti.ch/2011/05/26/gute-geschichten-sind-wie-gute-frauen/

Blick am Abend, 26. Mai.2011

«Der eingebildete Preisträger»

Basler Blogger sind sauer auf einen Exil-Basler, der ihnen den Journalistenpreis klaute.

Unter dem Titel «Die eingebildete Astronautin» berichtete der Zürcher «Tages-Anzeiger» letzten August über die Toggenburger Physiklehrerin Barbara Burtscher, die sich in den Medien als Nasa-Astronautin aufspielte. Der in Basel aufgewachsene «Tagi»-Redaktor Maurice Thiriet erhielt am Montag dafür den mit 10 000 Franken dotierten Nachwuchspreis des Zürcher Journalistenverbandes weil er, laut Jury, die «stratosphärische Story entlarvte».

Darüber sind die Blogger des Basler «Infamy»-Blogs nun mehr als sauer. «Es braucht doch einen ziemlichen Magen, eine Story als eigene einzureichen, die nachweislich von Infamy inspiriert ist», schreibt Patrik Tschudin über Thiriet. Er war es, der bereits im Januar 2010 Zweifel an Burtschers Story anmeldete und auf dem Blog öffentlich machte.

Thiriet sagt selbst, wo die Quelle seiner Story lag: «Ein Blogger hat die Geschichte angezweifelt, Burtscher aber aus Angst vor ihren Anwälten weiterwursteln lassen.»

In Anlehnung an den «Tagi»-Artikel wird Thiriet nun als «Der eingebildete Preisträger» bezeichnet.

Wird der Preis nun aberkannt? Kaum. «Wir wussten, dass die Story zuerst auf einem Blog auftauchte», sag Jury-Präsident Fredy Gsteiger zu Blick am Abend. Erst Thiriet habe sie aber richtig zu Ende geschrieben. bö


presseverein.ch, Ronnie Grob, 27. Mai 2011

Fast alle beleidigt

http://www.presseverein.ch/2011/05/fast-alle-beleidigt


Medienwoche.ch, Nick Lüthi, 28. Mai 2011

Zum Dank ins Gesicht gespuckt 

http://medienwoche.ch/2011/05/28/zum-dank-ins-gesicht-gespuckt/


Medienspiegel.ch, Marttin Hitz, 28. Mai 2010

Zoff um Zürcher Nachwuchsjournipreis

http://www.medienspiegel.ch/archives/002866.html


weblog.hist.net, Peter Haber, 28. Mai 2011

Plagiator erhält Zürcher Journalistenpreis

http://weblog.hist.net/archives/5451


Traumaphilologie, Clemens Schuster, 28. Mai 2011

ein Blogger …“ – Ein Jouraillienpreis für ein Plagiat?

http://bit.ly/kWAUdN und http://hofrat.ch


patsch Patrik Tschudin @Twitter, 29. Mai 2011
@hofrat @thbenkoe @mbinswanger @planetwelti @ronniegrob @nick_luethi

Relevante Tips verschweigen ist doof, rumpöbeln stillos. End of story!
http://twitter.com/#!/patsch

wwwkreuzundquer, Alice Gabathuler, 30. Mai 2011

RESPECT ... oder Jugendliche brauchen Vorbilder

http://wwwkreuzundquer.blogspot.com/2011/05/respect-oder-jugendliche-brauchen.html


Bobsmile's Blog, 31. Mai 2011

Klauen und Draufhauen, der freche Umgangston eines Nachwuchsjournalisten.

http://www.bobsmile.ch/wordpress/

Infamy-Blog, Patrik Tschudin, 31. Mai 2011

Entschuldigung - heute: Maurice Thiriet

http://infam.antville.org/stories/2064325/

Dank an die Spender

Stiftung und Jury bedanken sich bei allen Institutionen und Unternehmen, welche den Zürcher Journalistenpreis unterstützen. Die Spenderliste...

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