Arbeit einreichen

Zürcher Journalistenpreis 2013

Presseschau zur Preisverleihung am 29. Mai 2013 im Kaufleuten Zürich.


Preisträger 2013
Iwan Städler, Rico Czerwinski, Susi Stühlinger und Köbi Gantenbein
(Bild: Tom Kawara, Tages-Anzeiger)


Tages-Anzeiger, Zürich, 30. Mai 2013

Die «Leichen im Keller» sind jetzt preisgekrönt

Der Zürcher Journalistenpreis 2013 ging an drei Beiträge und ein Gesamtwerk. An der Preisverleihung im Kaufleuten in Zürich erhielten die Gewinner je 10'000 Franken.

Von Edgar Schuler

«Leichen im Keller des Professors» war der Artikel betitelt, mit dem der «Tages-Anzeiger»-Reporter Iwan Städler (45) den von der Uni Zürich unter Verschluss gehaltenen Bericht über Mängel im Medizinhistorischen Museum ans Licht brachte. Der Text brachte den Museumsleiter und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli in schwere Bedrängnis. Die Affäre führte schliesslich zu seiner Entlassung, zu politischen Vorstössen und zu Rechtsstreitigkeiten, die noch nicht ausgestanden sind.

Gestern hat Reporter Städler für seine umfassende Recherche zum Medizinhistoriker Mörgeli im Kaufleuten den renommiertesten Preis erhalten, den Medienleute in der Schweiz bekommen können, den Zürcher Journalistenpreis. Jury-Präsident Fredy Gsteiger hob in seiner Laudatio Städlers Hartnäckigkeit hervor – und seine Geduld zu warten, bis die Geschichte «rund» war.

«Wohliger Voyeurismus»

Für sein Lebenswerk zeichnete die Stiftung Zürcher Journalistenpreis Köbi Gantenbein (56) aus, den Chefredaktor der von ihm mitgegründeten Architekturzeitschrift «Hochparterre». Der «Berufsbündner» und Soziologe Gantenbein überrasche seine Leser immer wieder mit drängenden Architektur- und Landschaftsfragen, sagte Laudatorin Margrit Sprecher. Zudem führe er die «Hochparterre»-Redaktion «vorbildlich kooperativ und engagiert».

Susi Stühlinger (28) ist Redaktorin der Wochenzeitung WOZ und AL-Kantonsrätin in Schaffhausen. Für ihren Artikel «Eine Million bitte» hatte sie «die Reichsten im Lande» per Formbrief um je eine Million Franken gebeten. Die Reaktionen wertete sie für ihren Beitrag aus. «Wohliger Voyeurismus» ist das Prädikat von Jurymitglied Alain Zucker für den Beitrag.

Rico Czerwinski (36) war in seinem Beitrag «Die Anomalie» für «Das Magazin» des TA einer unheimlichen Häufung von Unfällen bei den Zürcher Verkehrsbetrieben auf den Grund gegangen. Czerwinski habe die «Ressource Zeit» und die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für seinen Text hervorragend genutzt, sagte Juror Hansi Voigt.

Die vier geehrten Journalisten des Zürcher Journalistenpreises erhalten je 10'000 Franken Preisgeld.


http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Die-Leichen-im-Keller-sind-jetzt-preisgekroent/story/11624572 



Neue Zürcher Zeitung, Zürich und Region, 30. Mai 2013

Der guten Schreibe ein Kränzchen

Die Verleihung des 33. Zürcher Journalistenpreises im Zürcher Kaufleuten

üy. Der Zürcher Presseverein hat am Mittwochabend den 33. Zürcher Journalistenpreis verliehen. Der mit je 10 000 Franken dotierte Preis zeichnete Beiträge der Journalistin Susi Stühlinger («WOZ») und der Journalisten Iwan Städler («Tages-Anzeiger») und Rico Czerwinski («Magazin») aus und ehrte Köbi Gantenbein, Chefredaktor der Architekturzeitschrift «Hochparterre», für sein Gesamtwerk. Mit insgesamt 172 Einsendungen habe die Jury so viele Beiträge erhalten wie seit Jahren nicht mehr, sagte Andrea Masüger, Präsident der Stiftung Zürcher Journalistenpreis, im Kaufleuten in Zürich. Erstmals habe man heuer zudem einzig die Kategorie Gesamtwerk beibehalten und auf die bisherigen Kategorien Zeitschrift, Zeitung und Nachwuchs verzichtet. Diese hätten die Jury in ihrer Beurteilung unnötig eingeengt und zudem Online-Texte ausgeschlossen. «Das steht einem Medienpreis, der mit der Zeit gehen will, nicht gut an», so der Geschäftsführer der Südostschweiz-Medien.

In «Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen» von Susi Stühlinger bittet die fiktive Together-Volksinitiative die 300 Reichsten der Schweiz um eine Million Franken. Der als Reaktion auf das alljährliche Rating der Zeitschrift «Bilanz» verfasste Artikel nehme ein ernstgemeintes Ansinnen auf, so Jurymitglied Alain Zucker; aber der Text unterhalte mit den unangemeldeten Besuchen der Initianten und ihren scheinbar naiven Fragen sowie den feinen Beobachtungen aus der Welt der Vermögenden, anstatt mit anwaltschaftlichen Appellen zu langweilen. Mit seinem Beitrag «Leichen im Keller des Professors» über das medizinhistorische Institut der Universität Zürich und Titularprofessor Christoph Mörgeli habe Iwan Städler Missstände in einer altehrwürdigen Zürcher Institution ans Licht gebracht und «sofort ein Rumoren ausgelöst», sagte Jurypräsident Fredy Gsteiger. «Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende.» Rico Czerwinskis Recherchen zu den Unfallzahlen bei der Zürcher VBZ in «Die Anomalie» lobte Jurymitglied Hansi Voigt als «hoch relevante Geschichte, die andere nur als Meldung gesehen haben». Den «Hochparterre»-Chefredaktor Köbi Gantenbein würdigte Jurymitglied Margrit Sprecher schliesslich für seinen Unternehmensgeist sowie die «seltene Gabe, so zu schreiben, dass Insider, die ohnehin alles wissen, sich beim Lesen bestens unterhalten, während Laien, gewissermassen spielerisch, endlich verstehen, worum es geht».

http://webpaper.nzz.ch/2013/05/30/zuerich-und-region/KD6AQ/der-guten-schreibe-ein-kraenzchen?guest_pass=471fba1b66:KD6AQ:a50b1dee71e3cd1cc13efb9fbfb2ef53423186a2


Klein-Report

Vier Autoren mit Zürcher Journalistenpreis 2013 geehrt 
 
Der Zürcher Journalistenpreis wurde in diesem Jahr für drei herausragende Beiträge und ein Gesamtwerk vergeben. Die Preisträger sind Susi Stühlinger (WOZ), Iwan Städler («Tages-Anzeiger»), Rico Czerwinski («Das Magazin») und Köbi Gantenbein («Hochparterre»). Die Jury hat einen Preis für ein Gesamtwerk vergeben und aus 170 Einsendungen drei Beiträge ausgezeichnet, die den gesellschaftspolitischen Spannungsfeldern Arm-Reich, Wissenschaft-Politik und Arbeit-Mensch gewidmet sind. Der Zürcher Journalistenpreis ist mit je 10 000 Franken dotiert.

Susi Stühlinger erhielt die Auszeichnung für den Text «Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen». «Statt uns mit anwaltschaftlichen Appellen zu langweilen, unterhält er uns mit kleinen, aber feinen Beobachtungen aus der Welt der Vermögenden und dem Parodieren des wohligen Voyeurismus eines alljährlich wiederkehrenden Bilanz-Ratings», lobte Jury-Mitglied Alain Zucker die Schaffhauserin in seiner Laudatio.

Iwan Städler wurde für seinen Artikel «Leichen im Keller des Professors» zum Fall von Christoph Mörgeli prämiert. «Der Journalist wusste offenbar schon länger, dass es in Mörgelis Universitätsinstitut gärt - nicht nur bei den Feuchtpräparaten. Er suchte nach Material und sammelte es, bis die Geschichte rund war», so Jurypräsident Fredy Gsteiger. Städler habe den Missstand in einer altehrwürdigen Zürcher Institution ans Licht gebracht.

Der dritte Beitrag von Rico Czerwinski mit dem Titel «Die Anomalie» thematisierte die Unzufriedenheit der VBZ-Mitarbeiter. «Rico Czerwinskis Nahaufnahme aus dem Führerstand der VBZ schildert, wie absurd es wird, wenn man aus Bewertungsgründen Menschen in ein Schema presst, das in seiner betriebswirtschaftlichen Ausgeklügeltheit zu Willkür - und schlussendlich zu Unfällen führt», sagte Juror Hansi Voigt in der Laudatio.

Der Preis für das Gesamtwerk ging an Köbi Gantenbein, den Chefredaktor der Architekturzeitschrift «Hochparterre». «Noch nie zeichneten wir Unternehmergeist aus», sagte Margrit Sprecher in ihrer Würdigung. Die Texte des «Berufsbündners» würden mitunter rustikal beginnen, dann aber sehe sich seine Leserschaft meist auf überraschende Art mit drängenden Architektur- und Landschaftsfragen konfrontiert.

Die Verleihung des 33. Zürcher Journalistenpreises fand am Mittwoch im Kaufleuten in Zürich statt. Ausgezeichnet werden jeweils hervorragende Arbeiten und Gesamtwerke, die über einen Zeitungs-, Zeitschriften- oder Onlinekanal verbreitet werden. «Für einmal siegten noch Printartikel. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern», so Andrea Masüger, CEO der Südostschweiz Medien und Präsident der Stiftung Zürcher Journalistenpreis.

http://www.kleinreport.ch/news/vier-autoren-mit-zuercher-journalistenpreis-2013-geehrt-74553.html


Susi Stühlinger: «Jetzt muss die `WOZ` nur noch 99 Preise gewinnen» 

Susi Stühlinger (28) hat für ihren «WOZ»-Beitrag «Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen» den Zürcher Journalistenpreis erhalten. Im Artikel forderte sie die Reichen der Schweiz auf, Geld für eine Umverteilungsinitiative zu spenden. Im Gespräch mit dem Klein Report erklärt sie, was für ein Rezept sie anwendete, um mit einem «kindischen» Artikel Erfolg zu haben, und gibt bekannt, dass sie künftig nur noch als Kolumnistin für die «WOZ» arbeiten wird.

Klein Report: Was bedeutet der Preis für Sie?
Susi Stühlinger: «Ich habe mich besonders gefreut, dass man einen Artikel über Umverteilung - was durchaus ein politisches Thema ist - als relevant anerkannt hat. Und das, nachdem ein Kolumnist der `Weltwoche` den Bericht als «kindischsten Artikel des Jahres» bezeichnet hatte.»

Klein Report: Wie kamen Sie auf die Idee für den Artikel?
Stühlinger: «Im Gespräch entstand die Idee, die `Bilanz`-Rangliste mit den 300 Reichsten zu parodieren. Ich hoffte für den Artikel auf Rückmeldungen der entsprechenden Personen und entwarf für die Sammelaktion für die Umverteilungsinitiative drei Eskalationsstufen: Zuerst der briefliche Kontakt, dann bei einer repräsentativen Gruppe ein telefonische Nachfrage, und bei zehn Personen, die ich nicht erreicht hatte, gingen Dinu Gautier, der Fotograf Paco Carrascosa und ich schliesslich persönlich vorbei. Damit erhielt ich die szenischen Elemente, mit der sich die Welt der Wohlhabenden einfangen liess.»

Klein Report: Was hat Ihnen selbst am Artikel am Ende am besten gefallen?
Stühlinger: «Es war erfreulich, dass wir tatsächlich eine Rückmeldung von einem sehr prominenten Mitglied der 300 Reichsten erhielten. Die Person machte auch ein Eingeständnis, dass Ungerechtigkeit vorhanden ist.»

Klein Report: Was ist Ihr Tipp, um aussergewöhnliche Artikel produzieren zu können?
Stühlinger: «Man muss sich für einige Stunden dem Stress im Alltag entreissen können, um rumzuspinnen und neue Aspekte zu finden. So kann man einen Artikel über ein Thema, mit dem sich die Leserschaft sonst eher schwertut, interessant machen. Es darf kein Denkverbot geben. Was nicht möglich ist, merkt man früh genug. Im Tagesgeschäft wird meist kaum ein Gedanke darauf verwendet, wie man einen Artikel formal aufbauen könnte.»

Klein Report: Der Preis ist mit 10 000 Franken dotiert. Was machen Sie damit?
Stühlinger: «Wir hatten in unserem Artikel zwar eine Million gefordert, aber 10 000 Franken sind immerhin ein Anfang. Jetzt muss die `WOZ` nur noch weitere 99 Preise gewinnen, dann ist das Geld für die Umverteilungsinitiative zusammen.» (lacht)

Klein Report: Sie sind noch jung: Was reizt Sie journalistisch, wo sind Ihre beruflichen Ziele?
Stühlinger: «Es wird demnächst eine Umstellung geben. Ich werde eine neue Herausforderung annehmen und eine weitere Ausbildung absolvieren. Ich werde aber weiterhin journalistisch tätig sein, etwa als Kolumnistin bei der `WOZ`.»
 
http://www.kleinreport.ch/news/susi-stuehlinger-jetzt-muss-die-woz-nur-noch-99-preise-gewinnen-74554.html



Persoenlich.com

Zürcher Journalistenpreis

Iwan Städler, Rico Czerwinski und Susi Stühlinger räumen ab

Preise für herausragende Beiträge und Gesamtwerk vergeben.

Der Zürcher Journalistenpreis ist mit je 10'000 Franken dotiert. Aus mehr als 170 Einsendungen zeichnete die Jury des Zürcher Journalistenpreises in diesem Jahr drei Beiträge aus, die sich den gesellschaftspolitischen Spannungsfeldern Arm – Reich, Wissenschaft – Politik und Arbeit – Mensch widmeten. Susi Stühlinger ("WOZ") mit der Gemeinschaftsarbeit "Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen", Iwan Städler ("Tages-Anzeiger") mit dem Artikel "Leichen im Keller des Professors" und Rico Czerwinski (oben im Bild, "Das Magazin") mit dem Beitrag "Die Anomalie" wurden als preiswürdig bewertet, wie die Stiftung in einer Pressemitteilung vom Montag erklärt. Neben den Kriterien der sprachlichen Qualität, der Rechercheleistung und der Form spielte im Auswahlverfahren auch die Wirkung der Texte im Kontext eine Rolle.

Reichtum, Missstände und Führerstand
Im Beitrag der Schaffhauser Journalistin Stühlinger geht es um eine WOZ-Aktion, bei der die Reichsten im Lande um eine Million Franken gebeten wurden - "zur Umverteilung der Vermögen". Statt mit anwaltschaftlichen Appellen zu langweilen, unterhalte der Beitrag "mit kleinen aber feinen Beobachtungen aus der Welt der Vermögenden und dem Parodieren des wohligen Voyeurismus eines alljährlich wiederkehrenden Bilanz-Ratings", lobte Jury-Mitglied Alain Zucker in seiner Laudatio.

Der Artikel von Städler handelt von Christoph Mörgeli. Er habe den Missstand in einer altehrwürdigen Zürcher Institution ans Licht gebracht, wie die Jury in einer sda-Meldung zitiert wird. Der Tagi-Journalist habe offenbar schon länger gewusst, dass es in Mörgelis Universitätsinstitut gärt. Er hat laut Jury-Präsident Fredi Gsteiger nach Material gesucht und es gesammelt, "bis die Geschichte rund war".


Rico Czerwinskis Magazin-Beitrag "Die Anomalie" ist eine Nahaufnahme aus dem Führerstand der Zürcher Verkehrsbetriebe. Gemäss Juror Hansi Voigt wird darin geschildert, "wie absurd es wird, wenn man aus Bewertungsgründen Menschen in ein Schema presst, das in seiner betriebswirtschaftlichen Ausgeklügeltheit zu Willkür - und schlussendlich zu Unfällen führt". 
 
"Hohe Achtung vor dem geschrieben Wort"
Der Gesamtwerk-Preis zeichnet mit Köbi Gantenbein einen Journalisten, Chefredaktor und Verleger aus, der mit der Architekturzeitschrift "Hochparterre" eine über die Grenzen des Faches beachtete Publikation geschaffen hat und leitet. Sein "Sprachwitz und die pointiert vorgebrachten Meinungen zeugen von hoher Achtung vor dem geschriebenen Wort", wie es in der Mitteilung weiter heisst. Gründe für die Preisvergabe an den Chefredaktor und Verleger der Architekturzeitschrift waren auch, dass er die Redaktion vorbildlich kooperativ und engagiert führe, den Mitgliedern einen (hohen) Einheitslohn zahle und sich persönlich der Nachwuchs-Ausbildung widme.

Preisverleihung im Kaufleuten
An der Feier zur Preisverleihung, die am Mittwoch, 29. Mai 2013, im Kaufleuten Zürich stattfand, hielt Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr der SBB, die Festansprache. Pilloud pflegt als Exponentin des grössten Transportunternehmens des Landes, aber auch als Publizistin und Absolventin der Ringier-Journalistenschule enge Beziehungen zur Medienwelt. Den musikalisch-unterhaltenden Schlusspunkt setzte Leo Wundergut, den die "NZZ" kürzlich als "Gesellschaftstenor" und "Hochdruckplauderer" adelte.

Der Zürcher Journalistenpreis wurde in diesem Jahr zum 33. Mal verliehen. Jeder der vergebenen Preise ist mit 10'000 Franken dotiert. Ausgezeichnet werden jeweils hervorragende und wegweisende Arbeiten und Gesamtwerke, unabhängig davon, ob sie über einen Zeitungs-, Zeitschriften- oder Online-Kanal verbreitet werden. Andrea Masüger, CEO der Südostschweiz Medien und Präsident der Stiftung Zürcher Journalistenpreis ist überzeugt, dass nachdem in diesem Jahr Print-Artikel siegten, im nächsten Jahr auch solche aus dem Online-Bereich Chancen punkten werden. (sda/pd)

http://www.persoenlich.com/news/medien/z-rcher-journalistenpreis-iwan-st-dler-rico-czerwinski-und-susi-st-hlinger-r-umen-ab#.Uabtr1U6kuQ


Südostschweiz, Graubünden, 30.Mai 2013

Zürcher Journalistenpreis 2013 für Köbi Gantenbein 

Mit dem Zürcher Journalistenpreis 2013 ausgezeichnet worden sind am Mittwoch Susi Stühlinger («WOZ»), Iwan Städler («Tages-Anzeiger») und Rico Czerwinski («Das Magazin»). Den Preis für das journalistische Gesamtwerk erhielt der Bündner Köbi Gantenbein («Hochparterre»).
Zürich. – Jeder der vier Preise ist mit 10 000 Franken dotiert, wie die Stiftung Zürcher Journalistenpreis am Mittwoch mitteilte. Die Preisverleihung fand im Kaufleuten in Zürich statt.

Gantenbeins Sprachwitz

Mit dem Gesamtwerk-Preis für den Bündner Köbi Gantenbein, der in Zürich sowie in Fläsch wohnt und arbeitet, sei erstmals Unternehmergeist mit dem Journalistenpreis ausgezeichnet worden, sagte Margrit Sprecher in ihrer Würdigung. Gantenbeins Sprachwitz und die pointiert vorgebrachten Meinungen zeugten von hoher Achtung vor dem geschriebenen Wort.

Gründe für die Preisvergabe an den Chefredaktor und Verleger der Architekturzeitschrift «Hochparterre» waren auch, dass er die Redaktion vorbildlich kooperativ und engagiert führe, den Mitgliedern einen (hohen) Einheitslohn zahle und sich persönlich der Nachwuchs-Ausbildung widme.

Text über eine WOZ-Aktion

Die junge Schaffhauser Journalistin Susi Stühlinger bekam den Preis für den Text «Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen» über eine WOZ-Aktion, bei der die Reichsten im Lande um eine Million Franken gebeten wurden – «zur Umverteilung der Vermögen».

Statt mit anwaltschaftlichen Appellen zu langweilen, unterhalte der Beitrag «mit kleinen aber feinen Beobachtungen aus der Welt der Vermögenden und dem Parodieren des wohligen Voyeurismus eines alljährlich wiederkehrenden Bilanz-Ratings», lobte Jury-Mitglied Alain Zucker in seiner Laudatio.

Artikel über Mörgeli

Iwan Städler wurde ausgezeichnet für seinen Artikel «Leichen im Keller des Professors» über Christoph Mörgeli. Er habe den Missstand in einer altehrwürdigen Zürcher Institution ans Licht gebracht.

Der Tagi-Journalist habe offenbar schon länger gewusst, dass es in Mörgelis Universitätsinstitut gärt. Er hat laut Jury-Präsident Fredi Gsteiger nach Material gesucht und es gesammelt, «bis die Geschichte rund war».

Nahaufnahme aus dem Führerstand

Rico Czerwinskis Magazin-Beitrag «Die Anomalie» ist eine Nahaufnahme aus dem Führerstand der Zürcher Verkehrsbetriebe. Gemäss Juror Hansi Voigt wird darin geschildert, «wie absurd es wird, wenn man aus Bewertungsgründen Menschen in ein Schema presst, das in seiner betriebswirtschaftlichen Ausgeklügeltheit zu Willkür – und schlussendlich zu Unfällen führt». (sda) 

http://www.suedostschweiz.ch/vermischtes/zuercher-journalistenpreis-2013-fuer-koebi-gantenbein


Schaffhauser Nachrichten, Region, 30. Mai 2013

Journalistenpreis an Susi Stühlinger

ZÜRICH Die Schaffhauser AL-Kantonsrätin und WOZ-Journalistin Susi Stühlinger wurde gestern Abend im Zürcher «Kaufleuten» mit dem Zürcher Journalistenpreis 2013 ausgezeichnet. Sie erhielt den Preis für ihren Text «Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen». Darin beschreibt die Autorin, wie ein Team der WOZ vergeblich versucht, von einigen vermögen- den Schweizern eine Million Franken für eine Initiative zur Verringerung von Vermögensunterschieden zu erhalten.

«Es hat mich sehr gefreut, dass der Text, der eine klare Haltung und eine politische Komponente hat, ausge- zeichnet wurde», sagte Stühlinger gestern. Mit dem Bericht wollte sie einen Diskurs über die Verteilung des Reichtums anstossen. «Die Thematik liegt in der Luft, man sieht das an der Minder-Initiative oder der 1:12-Initiative der Juso.» In Zukunft wolle sie ihren Fokus weg von den Personen hin zu den Mechanismen verschieben. Geblieben sind der Autorin von ihren Recherche-Spaziergängen am Zürichsee vor allem zwei Dinge: «In Wollerau herrscht die Unsitte, Häuser in Lachsfarbe zu streichen», sagte sie. Daneben war sie erstaunt, in welchem Tonfall die Journalisten teilweise abgewiesen wurden und wie stark abgeschottet manche Personen lebten. 

Mit 10000 Franken dotiert 

Noch ist nicht ganz klar, wofür sie das Preisgeld von 10 000 Franken einsetzen will - jedenfalls nicht direkt für eine Umverteilungs-Initiative. «Ich werde das Geld wohl für ein Projekt oder eine Reise nutzen», sagte sie. «Sicher gibt es aber zunächst ein grosses Fest für das ganze WOZ-Kollektiv.» Neben Stühlinger erhielten die beiden Tamedia-Journalisten Iwan Städler (mit dem Artikel «Leichen im Keller des Professors» über Christoph Mörgeli) und Rico Czerwinski (mit «Die Anomalie» über Unfälle bei den Verkehrsbetrieben Zürich) je einen Preis. Köbi Gantenbein von der Architekturzeitschrift «Hochparterre» wurde für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. (dj.)


SDA, 29. Mai 2013

Zürcher Journalistenpreis 2013 für drei Beiträge und ein Gesamtwerk

Mit dem Zürcher Journalistenpreis 2013 ausgezeichnet worden sind am Mittwoch Susi Stühlinger ("WOZ"), Iwan Städler ("Tages-Anzeiger") und Rico Czerwinski ("Das Magazin"). Den Preis für das journalistische Gesamtwerk erhielt Köbi Gantenbein ("Hochparterre").
Jeder der vier Preise ist mit 10'000 Franken dotiert, wie die Stiftung Zürcher Journalistenpreis mitteilte. Die Preisverleihung fand im Kaufleuten in Zürich statt.
Die junge Schaffhauser Journalistin Susi Stühlinger bekam den Preis für den Text "Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen" über eine WOZ-Aktion, bei der die Reichsten im Lande um eine Million Franken gebeten wurden - "zur Umverteilung der Vermögen". Statt mit anwaltschaftlichen Appellen zu langweilen, unterhalte der Beitrag "mit kleinen aber feinen Beobachtungen aus der Welt der Vermögenden und dem Parodieren des wohligen Voyeurismus eines alljährlich wiederkehrenden Bilanz-Ratings", lobte Jury-Mitglied Alain Zucker in seiner Laudatio. 

Artikel über Mörgeli 

Iwan Städler wurde ausgezeichnet für seinen Artikel "Leichen im Keller des Professors" über Christoph Mörgeli. Er habe den Missstand in einer altehrwürdigen Zürcher Institution ans Licht gebracht. Der Tagi-Journalist habe offenbar schon länger gewusst, dass es in Mörgelis Universitätsinstitut gärt. Er hat laut JuryPräsident Fredi Gsteiger nach Material gesucht und es gesammelt, "bis die Geschichte rund war".
Rico Czerwinskis Magazin-Beitrag "Die Anomalie" ist eine Nahaufnahme aus dem Führerstand der Zürcher Verkehrsbetriebe. Gemäss Juror Hansi Voigt wird darin geschildert, "wie absurd es wird, wenn man aus Bewertungsgründen Menschen in ein Schema presst, das in seiner betriebswirtschaftlichen Ausgeklügeltheit zu Willkür - und schlussendlich zu Unfällen führt".
Mit dem Gesamtwerk-Preis für Köbi Gantenbein sei erstmals Unternehmergeist mit dem Journalistenpreis ausgezeichnet worden, sagte Margrit Sprecher in ihrer Würdigung. Gantenbeins Sprachwitz und die pointiert vorgebrachten Meinungen zeugten von hoher Achtung vor dem geschriebenen Wort.Gründe für die Preisvergabe an den Chefredaktor und Verleger der Architekturzeitschrift waren auch, dass er die Redaktion vorbildlich kooperativ und engagiert führe, den Mitgliedern einen (hohen) Einheitslohn zahle und sich persönlich der Nachwuchs-Ausbildung widme.


Werbewoche, 30. Mai 2013

ZJP 2013: «Für einmal siegten noch Print-Artikel»

Susi Stühlinger (Woz), Iwan Städler (Tages-Anzeiger) und Rico Czerwinski (Das Magazin) erhalten den Zürcher Journalistenpreis 2013. Der Preis für das journalistische Gesamtwerk geht in diesem Jahr an Köbi Gantenbein (Hochparterre).

Aus mehr als 170 Einsendungen zeichnete die Jury des Zürcher Journalistenpreises in diesem Jahr drei Beiträge aus, die sich den gesellschaftspolitischen Spannungsfeldern Arm – Reich, Wissenschaft – Politik und Arbeit – Mensch widmeten. Susi Stühlinger mit der Gemeinschaftsarbeit «Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen», Iwan Städler mit dem Artikel «Leichen im Keller des Professors» und Rico Czerwinski mit dem Beitrag «Die Anomalie» wurden als preiswürdig bewertet. Neben den Kriterien der sprachlichen Qualität, der Rechercheleistung und der Form spielte im Auswahlverfahren auch die Wirkung der Texte im Kontext eine Rolle.

Der Gesamtwerk-Preis zeichnet mit Köbi Gantenbein einen herausragenden Journalisten, Chefredaktor und Verleger aus, der mit der Architekturzeitschrift Hochparterre eine über die Grenzen des Faches beachtete Publikation geschaffen hat und leitet. Sein Sprachwitz und die pointiert vorgebrachten Meinungen zeugen von hoher Achtung vor dem geschriebenen Wort.

An der Feier zur Preisverleihung, die am Mittwoch, 29. Mai 2013, im Kaufleuten Zürich stattfand, ehrte die Jury im Beisein zahlreicher prominenter Gäste aus Wirtschaft, Medien und Politik die junge Journalistin und ihre drei Kollegen mit einer der wichtigsten Auszeichnungen für journalistische Texte in der Schweiz. Die Festansprache hielt Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr der SBB, die als Exponentin des grössten Transportunternehmens des Landes, aber auch als Publizistin und Absolventin der Ringier-Journalistenschule enge Beziehungen zur Medienwelt pflegt. Den musikalisch-unterhaltenden Schlusspunkt setzte Leo Wundergut, den die NZZ kürzlich als «Gesellschaftstenor» und «Hochdruckplauderer» adelte.

Der Zürcher Journalistenpreis wurde in diesem Jahr zum 33. Mal verliehen. Jeder der vergebenen Preise ist mit 10'000 Franken dotiert. Ausgezeichnet werden jeweils hervorragende und wegweisende Arbeiten und Gesamtwerke, unabhängig davon, ob sie über einen Zeitungs-, Zeitschriften- oder Online-Kanal verbreitet werden. «Für einmal siegten noch Print-Artikel. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern», glaubt Andrea Masüger, CEO der Südostschweiz Medien und Präsident der Stiftung Zürcher Journalistenpreis.

Würdigungen der Jury

Die von Fredy Gsteiger geleitete Jury würdigte die ausgezeichneten Beiträge in ihren Laudationes. «Wir haben schon journalistische Lebenswerke der verschiedensten Art prämiert. Mal war’s die brillante Sprache, die preiswürdig war, mal die seit Jahrzehnten gleichbleibend hohe Qualität einer Auslandberichterstattung. Noch nie aber zeichneten wir Unternehmergeist aus», sagte Margrit Sprecher in ihrer Würdigung des Gesamtpreis-Trägers Köbi Gantenbein.

Die Texte des «Berufsbündners» würden mitunter rustikal beginnen, dann aber sehe sich seine Leserschaft meist auf überraschende Art mit drängenden Architektur- und Landschaftsfragen konfrontiert, sagte Sprecher weiter. Dass er die Hochparterre Redaktion vorbildlich kooperativ und engagiert führt, ihren Mitgliedern einen (hohen) Einheitslohn zahlt und sich persönlich der Nachwuchs-Ausbildung widmet, waren weitere Gründe für die Vergabe des Preises an Gantenbein.

Susi Stühlingers Text «Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen» nimmt ein ernst gemeintes Ansinnen auf. «Doch statt uns mit anwaltschaftlichen Appellen zu langweilen, unterhält er uns mit kleinen aber feinen Beobachtungen aus der Welt der Vermögenden und dem Parodieren des wohligen Voyeurismus eines alljährlich wiederkehrenden Bilanz-Ratings», lobte Jury-Mitglied Alain Zucker die junge Schaffhauserin in seiner Laudatio.

Die Zutaten zu Iwan Städlers Artikel zum Fall von Christoph Mörgeli waren pikant. «Der Journalist wusste offenbar schon länger, dass es in Mörgelis Universitätsinstitut gärt – nicht nur bei den Feuchtpräparaten. Er suchte nach Material und sammelte es, bis die Geschichte rund war», analysierte Jury-Präsident Fredy Gsteiger. Städler habe den Missstand in einer altehrwürdigen Zürcher Institution ans Licht gebracht. Dafür erhalte er den Preis, so Gsteiger in der Laudatio.

«Rico Czerwinskis Nahaufnahme aus dem Führerstand der VBZ schildert, wie absurd es wird, wenn man aus Bewertungsgründen Menschen in ein Schema presst, das in seiner betriebswirtschaftlichen Ausgeklügeltheit zu Willkür – und schlussendlich zu Unfällen führt», sagte Juror Hansi Voigt in der Laudatio. Czerwinski habe die Ressource Zeit grosszügig eingesetzt und die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für seinen Text genutzt.

http://www.werbewoche.ch/zjp-2013-fuer-einmal-siegten-noch-print-artikel


Swiss Architects, 30.05.2013

Zürcher Journalistenpreis 2013

Gestern Mittwoch wurde der Zürcher Journalistenpreis anlässlich der Preisverleihung im Kaufleuten vergeben.  Susi Stühlinger (WOZ), Iwan Städler (Tages-Anzeiger) und Rico Czerwinski (Das Magazin) erhalten den Zürcher Journalistenpreis 2013. Der Preis für das journalistische Gesamtwerk geht in diesem Jahr an Köbi Gantenbein (Hochparterre). Wir gratulieren.

Der Zürcher Journalistenpreis ist mit je 10'000 Franken dotiert. Im Falle von Gantenbein und Hochparterre wird laut Angaben der Jury erstmals eine Person für ihren Unternehmergeist ausgezeichnet. Dass er die Hochparterre Redaktion vorbildlich kooperativ und engagiert führe, ihren Mitgliedern einen (hohen) Einheitslohn zahle und sich persönlich der Nachwuchs-Ausbildung widme, seien weitere Gründe für die Vergabe des Preises an Gantenbein gewesen.

Margrit Sprecher erwähnte in ihrer Laudatio auch die Schreibweise von Gantenbein: «Tatsächlich besitzt er die seltene Gabe, so zu schreiben, dass Insider, die ohnehin alles wissen, sich beim Lesen bestens unterhalten, während Laien, gewissermassen spielerisch, endlich verstehen, worum es geht. Dieser schreibtechnische Spagat lässt sich nirgendwo lernen.» jk Jenny Keller

http://www.swiss-architects.com/de/pages/22_13_Zuercher_Journalistenpreis


persoenlich.com, 30. Mai 2013

"Journalismus wird unter seinem Wert gehandelt"

Andrea Masüger äussert sich im Rahmen der Preisverleihung.
Der Zürcher Presseverein hat am Mittwochabend zum 33. Mal den Zürcher Journalistenpreis überreicht (persoenlich.com berichtete). Ausgezeichnet wurden Susi Stühlinger ("WOZ"), Iwan Städler ("Tages-Anzeiger") und Rico Czerwinski ("Das Magazin"). Den Preis für das journalistische Gesamtwerk erhielt Köbi Gantenbein ("Hochparterre").

Dieses Jahr wurde auf die Einteilung der Texte in Kategorien verzichtet, damit die Jury frei diejenigen Arbeiten wählen konnte, die ihnen am meisten zusagen. Andrea Masüger, CEO der Südostschweiz Medien sowie Präsident der Stiftung Zürcher Journalistenpreis, betonte im Rahmen der Veranstaltung, dass Qualitätsjournalismus heute wichtiger denn je sei, da "der Tagesjournalismus in der Schweiz immer stärkter vom schnellen Effekt dominiert" werde. Die Themen würden enorm aufgebauscht, um kurz danach wieder von der Bildfläche zu verschwinden. "Journalismus wird so unter seinem Wert gehandelt, es wird beliebig und langweilig." Zu den Gewinnerbeiträgen meint Masüger, dass dieses Jahr klar Artikel aus dem Printbereich gesiegt hätten, dies sich jedoch "mit Bestimmtheit in den nächsten Jahren" ändern wird. Die prämierten Texte können in der Programmbroschüre der Preisverleihung nachgelesen werden. (lf)

http://www.persoenlich.com//news/medien/z-rcher-journalistenpreis-journalismus-wird-unter-seinem-wert-gehandelt-306804#.UadRJYkRDTp


Wochenzeitung WOZ, 30. Mai 2013

Preis für Susi Stühlinger 

Milliardär Theo Müller von der Firma Müller-Milch zweifelte an ihrer Zurechnungsfähigkeit und wollte ihr die Adressen von Psychiatern zukommen lassen.
Nun hat Susi Stühlinger, WOZ-Inlandredaktorin, einen der diesjährigen Zürcher Journalistenpreise gewonnen! Und zwar für die Reportage «Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen», die in der goldenen WOZ «Die 300 Reichsten ... wollen nicht teilen» Ende November 2012 erschien. Stühlinger berichtete vom Versuch, bei den Reichsten im Land eine Million Franken aufzutreiben, um die Ungleich- heit zu mindern. Jury-Mitglied Alain Zucker zum Text: «Statt uns mit anwaltschaftlichen Appellen zu langweilen, unterhält er uns mit kleinen, aber feinen Beobachtungen aus der Welt der Vermögenden und dem Parodieren des wohligen Voyeurismus eines alljährlich wiederkehrenden <Bilanz)-Ratings.» Ausgezeichnet wurde auch Köbi Gantenbein, der den Gesamtwerkpreis erhielt. Der Journalist und Kopf der «Hochparterre»- Redaktion schreibt auch immer wieder für die WOZ, neben raumplanerischen Betrachtungen vor allem über zeitgenössische Volksmusik. Wir gratulieren Susi Stühlinger und Köbi Gantenbein recht herzlich!


Hochparterre, 30. Mai 2013

Köbi Gantenbein gewinnt der Zürcher Journalistenpreis 2013

Hochparterres Chefredaktor Köbi Gantenbein erhält den Zürcher Journalistenpreis 2013 fur das journalistische Gesamtwerk. «Der Gesamtwerk-Preis zeichnet mit Köbi Gantenbein einen herausragenden Journalisten, Chefredaktor und Verleger aus, der mit der Architekturzeitschrift ‹Hochparterre› eine über die Grenzen des Faches beachtete Publikation geschaffen hat und leitet. Sein Sprachwitz und die pointiert vorgebrachten Meinungen zeugen von hoher Achtung vor dem geschriebenen Wort» heisst es in der Medienmitteilung. Ebenfalls ausgezeichnet wurden Susi Stühlinger von der «WOZ», Iwan Städler vom «Tages-Anzeiger» und Rico Czerwinski «Das Magazin». Der Zürcher Journalistenpreis wurde in diesem Jahr zum 33. Mal verliehen. Jeder der vergebenen Preise ist mit 10'000 Franken dotiert. Text: Urs Honegger

http://www.hochparterre.ch/nachrichten/hochparterre/blog/post/detail/koebi-gantenbein-gewinnt-der-zuercher-journalistenpreis-2013/1369907418/


Die Zürcherin, 30. Mai. 2013

MARXISTISCHER ZÜRCHER JOURNALISTENPREIS?

Von Lucien Looser – Der Artikel “Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen“ ist starker Tobak. Die WOZ-Autorin-Susi Stühlinger hat für ihn den Zürcher Journalistenpreis erhalten. Beginnen tut er mit einem Zitat von Warren Buffett. Neben Unternehmer ist Buffett Mitglied der demokratischen Partei in den USA. Seine politischen Aussagen sind als Propaganda zu werten. Natürlich weist Frau Stühlinger nicht darauf hin. Sie weiss es wohl nicht. Den Zürcher Journalistenpreis bekommt man auch ohne Recherche!

Enteignungs-Initiative als Mission

Ziel von Stühlinger und Co ist die 300 Reichsten in der Schweiz mit einer WOZ-Werbe-Initiative zu belästigen. Die Journalistin hat die Stützen der Gesellschaft in einem Brief aufgefordert eine Million abzugeben, damit das Geld unter den Faulen verteilt werden kann. Da die Autoren selbst nicht zu den fleissigsten gehört, zitiert sie die  Antworten. Den Nagel auf den Kopf getroffen hat Theo Müller (Müller-Milch):

Sehr geehrter [sic!] Frau Stühlinger
Ihren Brief habe ich (…) mit grossem Staunen gelesen. Es kamen mir starke Zweifel an Ihrer Zurechnungsfähigkeit – falls ich Ihnen die Adressen einiger exzellenter Psychologen und Psychiater in Zürich nennen darf, lassen Sie es mich wissen.

In einer schönen Sprach beschreibt dann die junge Autorin, die auch schon für die Alternative Liste Schaffhausen kandidierte, wie sie die anderen Unternehmer teils telefonisch, teils mit ihrer Anwesenheit quälte.

Preis unter sich vergeben

Wir halten also fest: Stühlinger erhielt den Zürcher Journalistenpreis ohne zu recherchieren und ohne viel Zeit aufzuwenden, für eine politisch einseitig gefärbte Belästigungsaktion. Laut eigenen Angaben soll die Prämierung von herausragenden Arbeiten den Journalistinnen und Journalisten Ansporn sein, ihre schwierige Aufgabe inhaltlich wie auch stilistisch auf hohem Niveau zu meistern und journalistische Highlights zu kreieren, die über den Tag hinaus in Erinnerung bleiben. Inhaltlich gesehen ist dies eindeutig misslungen. Die Jury besteht unter anderem aus Leuten vom Tages-Anzeiger und der WOZ, die sich die Preise gegenseitig zuspielen. Und nein, ich bin nicht neidisch. Auf einen Preis, der weniger Wert hat als Papiergeld, kann ich verzichten.

http://zuercherin.com/marxistischer-zurcher-journalistenpreis/

Das Magazin, 1.5.2013

In eigener Sache

Es ist immer etwas vulgär, auf eigene Verdienste hinzuweisen. Im Falle meines Kollegen Rico Czerwinski nehme ich das Risiko der Schamlosigkeit allerdings gerne in Kauf: Seine Recherche über die Unfallzahlen der Zürcher Verkehrsbetriebe und das Unbehagen des fahrenden Personals über das grotesk aufgeblasene Dienstreglement wurde vergangenen Mittwoch mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet, den Rico Czerwinski in der Vergangenheit schon einmal gewonnen hat. Grossartig daran ist: Die Reportage wurde bereits vor etwas mehr als einem Monat mit dem Berner Medienpreis für Lokaljournalismus geehrt. Die beiden wichtigsten Schweizer Medienpreise für eine «Magazin»-Geschichte – das gab es bisher noch nie. Wir Redaktionskollegen gratulieren Rico Czerwinski ganz herzlich. Finn Canonica


Schaffhauser Bock, 4.6.2013

NEUES ZU NAMEN

Susi Stühlinger, Schaffhauser AL- Kantonsrätin und Inlandredaktorin der Wochenzeitung «WOZ», ist mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet worden. Die 28-Jährige, die auch als Slam Poetin schon Erfolge feierte, erhielt den mit 10 000 Franken dotierten Preis für ihren Artikel «Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen». Sie fordert darin die Reichen der Schweiz auf, Geld für eine Umverteilungsinitiative zu spenden. Die Verleihung des 33. Zürcher Journalisten- preises fand am vergangenen Mittwoch im «Kaufleuten» in Zürich statt.


Bündner Woche, 5.6.1013


Zürcher Journalistenpreis geht an Köbi Gantenbein

An der 33. Verleihung des Zürcher Journalistenpreises, die am

letzten Mittwoch stattgefunden hat, wurde der Bündner Journalist und «Hochparterre»-Verleger Köbi Gantenbein für sein Lebenswerk ausgezeichnet. büwo. «Wir haben schon journalistische Le- benswerke der verschiedensten Art prämiert, noch nie aber zeichneten wir Unternehmer- geist aus», sagte Margrit Sprecher in ihrer Würdigung des Gesamtpreis-Trägers Köbi Gantenbein an der diesjährigen Verleihung des Zürcher Journalistenpreises. Die Texte des «Berufsbündners» würden mitunter rustikal beginnen, dann aber sehe sich seine Le- serschaft meist auf überraschende Art mit drängenden Architektur- und Landschaftsfra- gen konfrontiert, sagte Sprecher weiter. Dass er die «Hochparterre»-Redaktion vorbildlich

kooperativ und engagiert führe, ihren Mitglie- dern einen (hohen) Einheitslohn zahle und

sich persönlich der Nachwuchsausbildung widme, waren weitere Gründe für die Verga- be des Preises an Gantenbein. Drei herausragende Beiträge ausgezeichnet Im Weiteren zeichnete die Jury des Zürcher Journalistenpreises am letzten Mittwoch

drei Beiträge aus, die sich den gesellschafts- politischen Spannungsfeldern Arm Reich, Wissenschaft Politik und Arbeit Mensch widmeten. Susi Stühlinger mit der Gemein- schaftsarbeit «Eine Million, bitte. Zum Mit- nehmen», Iwan Städler mit dem Artikel «Lei- chen im Keller des Professors» und Rico Czerwinski mit dem Beitrag «Die Anomalie» wurden von der Jury als preiswürdig bewertet. Neben der sprachlichen Qualität, der Re- chercheleistung und der Form als Kriterien

spielte im Auswahlverfahren auch die Wir- kung der Texte im Kontext eine Rolle. Jeder der vergebenen Preise ist mit 10000 Franken dotiert. Ausgezeichnet werden je- weils hervorragende und wegweisende Arbeiten und Gesamtwerke, unabhängig da- von, ob sie über einen Zeitungs-, Zeitschriften- oder Online-Kanal verbreitet werden. «Für einmal siegten noch Print-Artikel. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern», glaubt Andrea Masüger, GEO der Südost- schweiz Medien und Präsident der Stiftung Zürcher Journalistenpreis.



Prättigäuer und Herrschäftler, 5.6.2013


Journalistenpreis für Köbi Gantenbein 


Der «Halbfläscher» Köbi Gantenbein erhält den Zürcher Jour- nalistenpreis 2013 für das jour- nalistische Gesamtwerk. Der Gesamtwerk-Preis zeichne damit einen herausragenden Journalisten, Chefredaktor und Verleger aus, der mit der Architekturzeit- schrift «Flochparterre» eine über die Grenzen des Faches beachtete Publikation geschaffen habe und ite, heisst es in der Medienmitteilung. Der Preis ist mit 10 000 Franken dotiert. Was bedeutet diese hohe Ehre für den Preisträger selber? «Ich bin

etwas geniert, denn ich sitze auf dem Stängeli neben massgeben- den Leuten in meinem Beruf wie der besten Schweizer Reporterin Margrit Sprecher oder der Auslandredaktion der NZZ. Es macht mich froh, dass ich als erfolgrei- cher sozialistischer Unternehmer gewürdigt werde. Und es macht mich stolz, dass die Jury mein Können und meine Phantasie als Schreiber zu Architektur und Pla- nung, aber auch zu Uindlermusik

oder zu politischen Verwerfungen

lobt. All das hat auch eine Wur- zel in Schiers, wo Lehrer der EMS wie Paul Dürr, Walter Lerch oder George Handlery Ende der Siebzi- ger Jahre aus mir einen aufgeweckten Maturanden gemacht haben. Und der Preis hat allerhand mit Graubünden zu tun, weil ich mei- ne besten Reportagen und Bücher über das Bauen und Leben bei uns geschrieben habe, (ms)



Weltwoche, 6.6.2013

Journalismus

Ausgezeichnete Fehler

Der Tages-Anzeiger-Artikel, der zur Entlassung von Professor Christoph Mörgeli als Museumsleiter an der Universität Zürich führte, hat seinem Autor den Zürcher Journalistenpreis eingetragen. Damit wird eine nachweislich fehlerhafte Recherche prämiert. Nicht zum ersten Mal. 

Von Philipp Gut 

Er gilt als renommierteste Auszeichnung, die «Medienleute in der Schweiz bekommen können» (Tages-Anzeiger): der Zürcher Jour­nalistenpreis. Alljährlich trifft sich die Szene, um sich selber zu feiern und ein paar der Ihrigen rotierend aufs Podest zu heben. Prämiert werden «herausragende», «hervorragende», «wegweisende» Arbeiten, «die den Journalismus als solchen weiterbringen» und «über den Tag hinaus in Erinnerung bleiben», wie die Trägerstiftung schreibt. 

Ausgezeichnet wurde letzte Woche auch Iwan Städler. Der Tages-Anzeiger-Journalist bekam den Preis für seinen Bericht «Leichen im Keller des Professors» vom 11. September 2012 über angebliche Missstände im Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich (sowie für einen Nachzug einen Tag später). Die Enthüllungen wurden landesweit beachtet und führten schliesslich zur Entlassung von Museumsleiter und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.

Laudator und Jurypräsident Fredy Gsteiger, einst Chefredaktor der Weltwoche, heute Vizechefredaktor von Schweizer Radio SRF, lobte Städler dafür, dass sein Artikel sofort ein Rumoren ausgelöst habe. «Und erst noch mit einer Geschichte über ein eher randständiges Universitätsinstitut.» Medizingeschichte, so Gsteiger, sei «nicht gerade ein Thema, das ständig für Schlagzeilen sorgt».

Natürlich weiss es Gsteiger besser: Die Story schlug nicht deshalb ein, weil sie von Medizingeschichte handelt. Sie schlug ein, weil es um Starpolitiker und SVP-Reizfigur Chris­toph Mörgeli ging. «Besagter Staatsdiener [Prof Mörgeli, die Red.] ist nicht mehr im Amt», frohlockte der Laudator denn auch mit sonorer Ironie. Womit er die Lacher der Kollegen an der Preisverleihung im Zürcher Kaufleutensaal auf seiner Seite hatte. «Er sammelte weiter – bis die Geschichte rund war», lobte Gsteiger Geduld und Hartnäckigkeit des prämierten Journalisten. 

Falsches Magazin, fremder «Staub» 

Spätestens ab dieser Stelle fällt es schwer, dem Präsidenten und seinen hochverdienten Jurykollegen Susan Boos (Wochenzeitung), Hansi Voigt (Ex-Chefredaktor 20 Minuten­online), Margrit Sprecher und Alain Zucker (Tages-­Anzeiger) weiter bedingungslos zu folgen. Die schüchterne Gegenfrage sei erlaubt: Eine «runde» Geschichte – hiesse das nicht eine ausrecherchierte, präzise Berichterstattung, die einen Sachverhalt in der nötigen Komplexität objektiv und faktengetreu ­wiedergibt?

Man erinnert sich: Besonders eine Passage aus dem nun preisgekrönten Artikel sorgte für Aufsehen und machte den gefeuerten Professor und Politiker zur Zielscheibe von Hohn und Spott – bis hin zum Schnitzelbank-Sujet an der Basler Fasnacht. «Die in einem Kellerraum gelagerten menschlichen Knochen sind teilweise dem Staub und Ungeziefer direkt aus­gesetzt», zitiert der Artikel den sogenannten Jütte-Bericht, der die Sammlung des ­Medizinhistorischen Instituts untersuchte. Die Aussage gehört zu den wichtigsten Quellenzitaten und Belegen für die vom Tages-Anzeiger ventilierten Missstände und Versäumnisse durch Mörgeli in seiner Funktion als Museumsleiter und akademischer Lehrer. Der Staub auf den Knochen und die Tatsache, dass die sterblichen Überreste von Menschen ungeschützt dem pietätslosen Zerstörungswerk durch Ungeziefer ausgesetzt seien, wurden zu einer Art Zentralmetapher des Falls. Professor Mörgeli und seine Sammlung: Das war verstaubt, vernachlässigt, von gestern. Darüber lachte die halbe Nation.

Der Haken an der Geschichte: Das eingän­gige Sinnbild ist falsch. Journalist Städler sass einem gravierenden Fehler des von ihm zitierten Jütte-Gutachtens auf. Denn die staubbedeckten Knochen und das nagende Ungeziefer gehörten gar nicht zu Mörgelis Verantwortungsbereich. Sie sind Teil der sogenannten Gallerschen Knochensammlung des Anatomischen Instituts, das, wie etwa auch die Völkerkundler oder die Universitätsverwaltung, die dort Stühle verstaut, Magazinräumlichkeiten im zweiten Untergeschoss des Universitätsgebäudes am Hirschengraben 82 mit nutzt. Mittlerweile ist die Gallersche Knochensammlung geräumt und in die Uni Irchel verschoben worden.

Geblieben ist die fatale Fehlleistung von Professor Jütte, die Städlers Recherche erst den richtigen Drall gab und die angebliche Verstaubtheit von Mörgelis Archiv zum medialen Selbstläufer machte. Fakten hin oder her.

Es liegt auf der Hand: Der Fehler hätte leicht vermieden werden können, wenn Mörgeli bei der Führung der Experten-Crew durch die Räumlichkeiten seiner Sammlung dabei gewesen wäre. Doch offensichtlich wollte das Institutsleiter Flurin Condrau nicht. Um ihn «anzuschwärzen», wie Mörgeli vermutet. Der geschasste Museumsleiter wirft seinem ehemaligen Chef vor, ihn systematisch ausgebootet und gemobbt zu haben.

Hinweise darauf gibt es zahlreiche. So hielt es Condrau, der mit Städler nachweislich Kontakt hatte, bevor dessen Artikel erschienen sind, nicht für nötig, seinen Mitarbeiter über die anrollende Pressekampagne zu informieren. Man muss sich das einmal vor Augen ­halten: Ein Chef weiss, dass gegen einen seiner Untergebenen kritisch recherchiert wird – und er sagt ihm kein Wort. Loyalität sieht anders aus. 

Jurypräsident will nicht nachrecherchieren 

Pikanterweise stützt Professor Condrau Mörgelis Mobbing-These selber. Im Akademischen Bericht 2011, der sich über weite Strecken wie eine Abrechnung mit Mörgeli liest und der dem Tages-Anzeiger ebenfalls aus Institutskreisen zugespielt wurde, kommt Verfasser Condrau auf den Kern des Problems zu sprechen. Er sieht diesen «in der Isolation von Institut und Museum» und scheut sich nicht, die Ursache dafür zu benennen: «Die Zusammenarbeit wird uns von Kollegen vermutlich aus politischen Gründen verweigert», schreibt Condrau in den Schlussfolgerungen des Akademischen Berichts.

Die Aussage ist so etwas wie ein Schlüssel zum Verständnis der verworrenen Führungskrise am Medizinhistorischen Institut, die schliesslich in der Entlassung Mörgelis, einem vor­übergehenden Rückzug des Chefs und ­einer bis heute andauernden Suspendierung der Vizechefin und ihres Ehemannes gipfelten (beide werden verdächtigt, das Amtsgeheimnis verletzt und die vertraulichen Berichte herausgegeben zu haben). Mörgelis Museum und das ganze Institut litten demnach darunter, dass sie von den Universitätskollegen geschnitten und boykottiert wurden – «aus politischen Gründen». Damit läge ein Motiv bereit, dass Condraus systematisches Vor­gehen gegen Mörgeli zumindest teilweise ­erklärt. Deutlich wird: Es geht mindestens so sehr um Politik wie um Wissenschaft. Der Eindruck drängt sich auf: Mörgeli wurde im akademischen Milieu an den Rand gedrängt, weil er aus Sicht der Universitätskollegen der falschen Partei angehört.

Doch davon erfährt der Leser der preis­gekrönten Tagi-Berichte erstaunlicherweise nichts. Autor Städler zitiert den Akademischen Bericht, der ihm nach eigenem Bekunden vollständig vorlag, exakt bis zu dieser Stelle und nicht weiter. Offensichtlich passte der Beleg für die (auch) politisch motivierte Kon­troverse um Christoph Mörgeli nicht in sein Konzept – oder in dasjenige seiner Informanten, die nach den bisherigen Ermittlungen unmittelbar aus Condraus Umfeld stammen.

Taugt eine «runde» Geschichte, die derart selektiv und willkürlich mit den Quellen umgeht und sich in entscheidenden Punkten («Staub», «Ungeziefer») nachweislich auf Irrtümer und Falschaussagen stützt, wirklich dazu, zur Leuchtfackel vorbildlichen journalistischen Schaffens hochgestemmt zu werden? Müsste eine Institution, die sich der «Förderung der journalistischen Qualität» verschrieben hat, nicht kritischer hinschauen? Jurypräsident Gsteiger will davon nichts wissen: «Es kann nicht Aufgabe einer Journalistenpreisjury sein, eingereichte Artikel nachzurecherchieren. Die Jury bewertet, was ihr vorgelegt wird – und muss davon ausgehen, dass ein Autor, eine Autorin und ihre jeweilige Redaktion die faktischen Recherchen korrekt vorgenommen haben.» Nachrecherchieren wäre gar nicht nötig gewesen: Die Fehler im Artikel sind schon lange bekannt, Christoph Mörgeli hatte kurz nach der Publikation darauf aufmerksam gemacht. Die Jury hat dies geflissentlich ignoriert. Gsteiger sagt, die vielen Besucher («fast allesamt selber Medienprofis») hätten die ­Verleihung des Preises an Städler als «sehr gerechtfertigt» betrachtet. Das wird niemand bezweifeln. 

Fulminante Fehlleistung vor 6 Jahren

Es ist nicht das erste Mal, dass der Journalistenpreis für Recherchen verliehen wird, die sich als fehlerhaft herausgestellt haben. 2007 wurden Charlotte Jacquemart und Daniel Hug von der NZZ am Sonntag für ihre Berichterstattung zum sogenannten Fall Swissfirst ausgezeichnet. Die Bank des SVP-Politikers Thomas Matter wurde durch die Zeitungskampagne vernichtet, obwohl sich die Vorwürfe als falsch erwiesen haben. Auf richterliches Geheiss musste sich die Sonntags-NZZ sogar entschuldigen. Trotz der fulminanten Fehlleistung durften die beiden Journalisten den Preis behalten. Auch damals dürfte die grosse Mehrheit der Journalistenkollegen den Preis als «sehr gerechtfertigt» empfunden haben. 

Eine weitere Auszeichnung erhielt letzte Woche übrigens auch die Woz-Autorin und Alternative-Liste-Politikerin Susi Stühlinger für ihren journalistischen Versuch, «den 300 Reichsten eine Million abzuknöpfen». Ein Schuft, wer denkt, dass beim Journalistenpreis nicht nur Qualität prämiert wird, sondern auch die richtige – sprich: bei den Kollegen «sehr gerechtfertigte» – politische Gesinnung.


Schaffhauser AZ, 6.6.2013

Eine Million von den Reichen

Susi Stühlinger wurde mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet

Zürich. Eine der Ausgezeichneten, die vor einer Woche mit dem Zürcher Journalistenpreis geehrt wurden, ist die Schaffhauserin Susi Stühlinger, WOZ-Journalistin, AL-Kantonsrätin und ehemalige Mitarbeiterin der «schaffhauser az». Die WOZ vom 29. November letzten Jahres kam als Dossier im Kleid der jährlichen «Bilanz»-Ausgabe mit den 300 Reichsten der Schweiz daher. Die Titelgeschichte wurde von Susi Stühlinger verfasst. Darin versucht die Autorin zusammen mit Kaspar Surber, Carlos Hanimann und Dinu Gautier für eine fingierte «TogetherInitiative» zur Umverteilung des Reichtums in der Schweiz von den Reichsten je eine Million Startkapital zu ergattern. Der Artikel, für den Stühlin-ger ausgezeichnet wurde, ver- eint die schriftlichen und telefonischen Reaktionen der An- gefragten mit den Erlebnissen von Stühlinger und Gautier beim Nachhaken vor den Villen der Reichen. Das sei bester Journalismus in «Michael Moore»-Manier, nur weniger polemisch, sagte Alain Zucker in seiner Laudatio. Stühlinger freut sich sehr über den Preis und darüber, während ihres Jusstudiums ab kommendem Herbst weiter als Kolumnistin und freie Mitarbeiterin für die WOZ schreiben zu dürfen. (pp.)


Edito, 14.6.2013

Das Lied von Köbi Gantenbein

Er erhielt den Zürcher Journalistenpreis für sein Gesamtwerk. Und einen Teil seiner Dankesrede sang er. Köbi Gantenbein von Hochparterre. Hier Rede und Liedtext.

Geschätzter Stiftungsrat, Liebe Freundinnen und Kollegen

Margrit Sprecher sagt (in der Laudatio), ich werde für meinen Unternehmergeist ausgezeichnet. Wie schön. Und sie sagt, ich werde für meine Texte ausgezeichnet, die «hinauf in luftige Höhen steigen». Dieses Lob berührt mich besonders.

Als ich bei der Bündner Zeitung in die Journalistenlehre ging, war Margrit im Unterland schon eine massgebende Reporterin. Mein Vorbild. Wie Hans Caprez, der beim «Beobachter» wegweisende Reportagen gegen das Unrecht schrieb. Und wie Werner Catrina, der als berühmter Reporter in der Welt unterwegs war. Alle drei haben Auszeichnungen von Ihnen erhalten. Alle drei waren und sind meine Vorbilder und nun sitze ich also als vierter Bündner auf diesem Stängeli. Das geniert mich, das macht mich stolz und das freut mich. Es ist warm hier, und es ist eine schöne und weite Aussicht.

Ihr Preis für Leben & Werk frägt mich: «Was noch, Köbi?» Mein gelobter Unternehmergeist ist froh, wie es ihm und uns von Hochparterre gelungen ist, die Geschichte der zwei Pioniere Loderer und Gantenbein weiterzuschreiben.

Wie ein Bäcker seine Bäckerei können wir den Verlag in der Familie lassen. Hochparterre gehört auch künftig denen, die es machen. Hochparterre steht mit Liberté, Egalité et Fraternité auf festen Füssen. Wir brauchen keine 1:12 Initiative zu fürchten, denn wir haben das Verhältnis 1:1 tief in den Statuten der Unternehmung gesichert. So werde ich bald als Chefredaktor mehr als Reporter für Berge, Städte, Sitten & Bräuche in luftigen Höhen unterwegs sein können. Und in meinen schönen Nebenberufen als Korrespondent für Ländlermusik der WoZ und als Feuilletonist für die Südostschweiz schreiben, wo der Preisträger Köbi seinerzeit begonnen hat. Zusammen übrigens mit Andrea Masüger, Marco Guetg und Mariano Tschuor. Wir lernten nicht nur miteinander Journalist beim Lehrmeister Hanspeter Lebrument, wir hüteten auch eine legendäre WG an der Churer Reichsgasse über dem Bärenloch.

Dass ich hier auf diesem schönen Stängeli sitze, hat natürlich viel mit Hochparterre zu tun. 20 Jahre lang war ich unterwegs mit Benedikt Loderer. Er lernte allerhand von mir, ich lernte viel von ihm. Wir sind das Dreamteam der zeitgenössischen Pressegeschichte. Neben mir ist er gewiss einer der Erfinder des Preisträgers Gantenbein. Und noch mehr sind das die 12 Frauen und 10 Männer von Hochparterre. Sie sind das Flügelrad meiner Phantasie. Sie sind mein Daseinsgrund, denn ohne sie wäre ich ja kein Chefredakter und Verleger. Ich wäre wohl Kurdirektor oder kantonaler Beamter oder RhB-Konduktör und Ländlermusiger im Kanton Graubünden. Das wäre auch schön, aber es wäre gewiss nicht so schön, wie mit Hochparterre zu sein – und jetzt erst recht als Preisgekrönter.

Hochparterre hat einen Redaktions-Chor. Als Dank für Ihre Auszeichnung singe ich Ihnen und meiner Lobrednerin Margrit Sprecher das Hochparterre Lied.

Unser Schreiben gleicht der Weise

Eines Werkers in dem Schacht

Dem dank seinem grossen Fleisse

Nun die Dividende lacht.

Chefredaktor, preisgesegnet

Hochparterris mitbedacht.

Nun wird er mit Gold verregnet

Alle sagen, gut gemacht.

Doch wir wollen weitergrübeln

Unsre Zeitschrift bleibt bestehn.

Niemand kann es uns verübeln

Wenn wir noch nicht untergehn.


(Musik: Friedrich Wielke 1792; Text Loderer/Gantenbein 1998/2013)

Die Musik des Liedes ist auch bekannt vom «Beresinalied»)

Rede anlässlich der Preisverleihung zum “Zürcher Journalistenpreis” vom 29.5.2013

http://www.edito.ch/de/2013/06/07/das-lied-von-kobi-gantenbein/

Geschäftsstelle

Stiftung Zürcher Journalistenpreis
Brigitte Becker
Rainstrasse 24
8104 Weiningen

Tel. 044 750 29 68
Email info@zh-journalistenpreis.ch

Twitter: @ZJPreis