Zürcher Journalistenpreis – Berichte zur Preisverleihung 2017

Über die Verleihung des Zürcher Journalistenpreises 2017, die am 16. Mai im Kaufleuten-Saal in Zürich stattfand, berichteten die Medien, darunter unter anderem der Tages-Anzeiger, die NZZ und die Branchendienste Persönlich, Klein-Report und Werbewoche. 

NZZ, 17. Mai 2017

Zu wertvoll für das Altpapier

Zürcher Journalistenpreis an Arbeiten von «WOZ», «Tages-Anzeiger», «Annabelle» und NZZ

Urs Bühler

Die Zeitung von heute sei das Altpapier von morgen, heisst es: Der Journalismus ist ein Handwerk, dessen Erzeugnisse als kurzlebig gelten. Gegen die Vergänglichkeit kann man mit Preisen ankämpfen, zum Beispiel. Zwar erwies sich schon das eine oder andere dergestalt geadelte Rechercheergebnis im Nachhinein als nicht ganz so unantastbar. Mitunter aber lässt uns ein Beitrag innehalten, abseits von der Jagd nach Primeurs und Sensationen, indem er handwerkliche Vollendung mit Relevanz paart und so die Leserschaft im Innersten berührt wie die Kunst.

So ein Exempel ist Anja Jardines «Blick in den Maschinenraum», erschienen 2016 im NZZ-Feuilleton – und am Dienstag im «Kaufleuten» mit dem Zürcher Journalistenpreis prämiert. Jardine, langjähriges Redaktionsmitglied des «NZZ-Folios», ist seit Sommer 2016 NZZ-Reporterin. Ihre aus der eigenen Familiengeschichte schöpfende Betrachtung über Werden und Vergehen driftet nie in Rührseligkeit ab und weist über den Einzelfall hinaus – eine Rarität in diesen Zeiten seichter Selbstspiegelung.

Ein weiterer der vier mit je 10 000 Franken dotierten Preise geht an Daniel Ryser («WOZ») für «Die Dschihadisten von Bümpliz». In aufwendiger Arbeit – ermöglicht durch den Recherchierfonds des Fördervereins ProWOZ – rollt er den Werdegang des Schweizer Islamisten Qaasim Illi auf. Die Jury attestiert Ryser grosse Erzählkunst, der dritten Preisträgerin Unvoreingenommenheit und Akribie: Die «Annabelle»-Redaktorin Claudia Senn spiegelt in «Sie nahm das Kind einfach mit» ihre Begegnung mit einer Insassin des Frauengefängnisses Hindelbank – und deren Weg dorthin. Die mit einem Schweizer liierte Zahnärztin aus Polen mit grossem Kinderwunsch hatte ein Roma-Baby aus einem osteuropäischen Spital entführt.

Für das Gesamtwerk schliesslich ehrt die von Hannes Britschgi präsidierte Jury Rita Flubacher vom «Tages-Anzeiger», «die vermutlich furchtloseste Wirtschaftsjournalistin weit und breit», wie Jürg Ramspeck in seiner Laudatio schreibt. Der in der Branche verbreitete Hang zu Superlativen – selbst bei Adjektiven, deren Steigerung etwa so viel Sinn ergibt, wie wenn man ein kinderloses Paar noch kinderloser macht – hat also auch Preisverleihungen erreicht. Nun, furchtlos ist die Geehrte gewiss, ihr Tun aber nicht fruchtlos: In ihrer Zeit bei der «Weltwoche» schrieb sie laut Laudatio gegen die Hausbank von deren damaligem Verleger, Werner K. Rey, und ihr Buch über selbigen sei eine «brillante Abrechnung mit Hybris und Spiegelfechterei in der Finanzwirtschaft».

Um den Zürcher Journalistenpreis bewerben kann man sich mit Texten, die in Zeitungen, Zeitschriften oder über Online-Kanäle aus den Kantonen Zürich und Schaffhausen publiziert worden sind. Ab nächstem Jahr ist der Fokus auf die ganze Deutschschweiz erweitert.

Träger des Zürcher Journalistenpreises (von links): Rita Flubacher, Daniel Ryser, Claudia Senn, Anja Jardine. (Karin Hofer / NZZ)
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Tages-Anzeiger, 17.5.2017

Drei Frauen und ein Mann: Das sind die Journalistenpreisträger

«Tages-Anzeiger»-Journalistin Rita Flubacher hat gestern für ihr Gesamtwerk den Zürcher  Journalistenpreis erhalten.

Denise Marquard


Die Preisträgerinnen (v. l.) : Anja Jardine (NZZ), Claudia Senn («annabelle»), Daniel Ryser («Wochenzeitung») und Rita Flubacher («Tages-Anzeiger»). Foto: Reto Oeschger

Die von Hannes Britschgi geleitete Jury des Zürcher Journalistenpreises hat gestern Abend im Kaufleuten in Zürich den Preis fürs Gesamtwerk an Rita Flubacher vergeben. Die 1951 geborene «Tages-Anzeiger»-Redaktorin sei «die vermutlich furchtloseste Wirtschaftsjournalistin weit und breit», sagte der ehemalige Chefredaktor der «Weltwoche», Jürg Ramspeck, in seiner Laudatio.

Bei dieser Wochenzeitung hat sich Flubacher in den 80er-Jahren einen Namen geschaffen. Sie deckte die Machenschaften des Finanzjongleurs Werner K. Rey auf. Ihre aufwendigen Recherchen fasste sie später in einem Buch zusammen. Es sei zu einer «brillanten, messerscharfen Abrechnung mit Hybris und Spiegelfechterei in der Finanzwirtschaft» geraten, führte Ramspeck aus. Besonders pikant daran war die Tatsache, dass Werner K. Rey zeitweise der Verleger der «Weltwoche» war.

Rita Flubachers journalistische Karriere führte sie in verschiedene Medienhäuser, zur «Weltwoche» kommen ihre Tätigkeiten als stellvertretende Chefredaktorin der «SonntagsZeitung» sowie als Leiterin der Wirtschaftsredaktion des «Tages-Anzeigers» hinzu.

Die Ökonomin arbeitet nach wie vor für den «Tages-Anzeiger» und demonstriert dort, was sie in ihrer ganzen Karriere ausgezeichnet hat: Sie ist eine exzellente Rechercheurin, die es versteht, dem Publikum in einfacher Sprache wirtschaftliche Zusammenhänge und das Handeln der Akteure verständlich zu machen.

TA-Chefredaktor Arthur Rutishauser ist stolz auf Flubacher: «Sie war in ihrer journalistischen Hartnäckigkeit schon immer ein Vorbild für mich.»

«Postfaktischer Bullshit»

Ebenfalls ausgezeichnet wurden drei weitere Journalisten. Mit dem Artikel «Blick in den Maschinenraum» ist NZZ-Autorin Anja Jardine ein berührender Text über sich und ihre Familie gelungen, welcher ihre Erinnerungen «nüchtern, zuweilen lakonisch, aber immer sehr präzis» vermittle.

Daniel Ryser, Redaktor bei der «Wochenzeitung», hat die Jury mit einer Recherche über den Werdegang des Schweizer Islamisten Qaasim Illi überzeugt. Illi werde mit grosser Erzählkunst enthüllt, heisst es in der Laudatio. Ryser wurde für diese Recherche bereits vom Branchenblatt «Schweizer Journalist» als «Journalist des Jahres 2016» ausgezeichnet.

«annabelle»-Redaktorin Claudia Senn schliesslich habe mit Empathie, Unvoreingenommenheit und Akribie die Geschichte einer Frau erzählt, die ihr Kind entführte und deswegen ins Gefängnis musste.

An der Feier zur Preisverleihung von gestern Abend nahmen zahlreiche Gäste aus den Medien teil. Die Festansprache zum Thema «Postfaktischer Bullshit: Über journalistische Qualität in der digitalen Welt» hielt Miriam Meckel, Herausgeberin der «Wirtschaftswoche» und Professorin für Medien und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen. «Wir leben in den besten und in den schlechtesten Zeiten», führte sie in Anlehnung an Charles Dickens aus. Meckel meinte damit, dass der Journalismus technisch noch nie so viele Optionen hatte. Gleichzeitig zeige US-Präsident Donald Trump, in welch schwierigen Zeiten wir leben würden.

Der Zürcher Journalistenpreis ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für Journalismus in der Schweiz. Jeder der vier vergebenen Preise ist mit 10 000 Franken dotiert.

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Persoenlich.com, 16.5.2017

Zürcher Journalistenpreis 2017

Rita Flubacher für das Gesamtwerk geehrt

Jürg Ramspeck hat die «Tages-Anzeiger»-Redaktorin in seiner Laudatio als «die vermutlich furchtloseste Wirtschaftsjournalistin weit und breit» gelobt. Die weiteren Preise gehen an NZZ-Reporterin Anja Jardine, WOZ-Redaktor Daniel Ryser und «Annabelle»-Redaktorin Claudia Senn.

Die von Hannes Britschgi geleitete Jury des Zürcher Journalistenpreises hat den Preis fürs Gesamtwerk an Rita Flubacher vergeben, wie die Organisatoren in einer Mitteilung schreiben. Die 1951 geborene «Tages-Anzeiger»-Redaktorin sei «die vermutlich furchtloseste Wirtschaftsjournalistin weit und breit», heisst es in der Laudatio von Jürg Ramspeck. Als sie bei der «Weltwoche» gearbeitet habe, habe sie sich nicht gescheut, gegen die Hausbank des Verlegers zu schreiben. Über diesen Verleger, Werner K. Rey, habe sie auch ein Buch geschrieben, das zur «brillanten, messerscharfen Abrechnung mit Hybris und Spiegelfechterei in der Finanzwirtschaft» geraten sei. Flubacher hat sich laut der Jury als eine genaue Rechercheurin ausgezeichnet, die es versteht, dem Publikum in einfacher Sprache wirtschaftliche Zusammenhänge und das Handeln der Exponenten verständlich zu machen.

Zweite Auszeichnung für Ryser und Jardine

Mit dem Artikel «Blick in den Maschinenraum» ist NZZ-Autorin Anja Jardine nach Ansicht der Jury ein berührender Text über sich und ihre Familie gelungen, welcher ihre Erinnerungen nüchtern, zuweilen lakonisch, aber immer sehr präzis vermittle.

Der «Wochenzeitung»-Redaktor Daniel Ryser  habe die Jury mit einer Recherche über den Werdegang des Schweizer Islamisten Qaasim Illi überzeugt. Insbesondere für diese Recherche wurde Ryser im letzten Jahr als «Schweizer Journalist des Jahres» ausgezeichnet (persoenlich.com berichtete). Illi werde mit grosser Erzählkunst enthüllt, heisst es in der Laudatio. Für Ryser und Jardine ist es die zweite Auszeichnung: Beide Journalisten wurden bereits 2008 mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet (persoenlich.com berichtete).

«Annabelle»-Redaktorin Claudia Senn wiederum habe mit Empathie, Unvoreingenommenheit und Akribie die Geschichte einer Frau erzählt, die ihr Kind entführte und deswegen ins Gefängnis musste.

An der Feier zur Preisverleihung, die am Dienstag im Kaufleuten Zürich stattfand, nahmen zahlreiche prominente Gäste aus Wirtschaft, Medien und Politik teil. Die Festansprache zum Thema «Postfaktischer Bullshit: Über journalistische Qualität in der digitalen Welt» hielt Miriam Meckel, Herausgeberin der «Wirtschaftswoche» und Professorin für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen.

Preisausweitung auf gesamte Deutschschweiz

Zum 30-Jahr-Jubiläum der Stiftungsgründung «Zürcher Journalistenpreis» soll der Geltungsbereich des Preises ausgeweitet werden, wie es weiter heisst. War dieser bisher auf die Kantone Zürich und Schaffhausen beschränkt, so wird es ab dem kommenden Jahr möglich sein, journalistische Arbeiten aus der gesamten Deutschschweiz einzureichen. Der Stiftungsrat möchte damit die etwas enge Zentrierung auf Zürich aufgeben und auch Journalisten aus anderen Gegenden und Kantonen einbeziehen. Im Sinne einer bewährten Marke bleibe der Name «Zürcher Journalistenpreis» allerdings bestehen. Damit solle auch zum Ausdruck gebracht werden, dass die grösste Stadt der Schweiz nach wie vor auch die eigentliche Medienstadt darstelle.

Der Zürcher Journalistenpreis wird seit 1981 verliehen. Jeder der vier vergebenen Preise ist mit 10'000 Franken dotiert. Ausgezeichnet werden hervorragende und wegweisende Arbeiten und Gesamtwerke, unabhängig davon, ob sie über einen Zeitungs-, Zeitschriften- oder Online-Kanal verbreitet werden. Die Vergabe des Preises ist dank Beiträgen und Spenden von Verlagen, Unternehmen und Institutionen möglich. (pd/tim)

 

Werbewoche, 16.5.2017

Awards

Zürcher Journalistenpreis

Stiftung Zürcher Journalistenpreis vergibt vier Auszeichnungen

Rita Flubacher, Wirtschaftsredaktorin beim Tages-Anzeiger, NZZ-Reporterin Anja Jardine, Annabelle-Redaktorin Claudia Senn und WOZ-Redaktor Daniel Ryser sind mit dem Zürcher Journalistenpreis 2017 geehrt worden. Sie erhielten je 10'000 Franken. Ab dem nächsten Jahr wird der Preis auf die ganze Deutschschweiz ausgedehnt.

Jurypräsident Hannes Britschgi auf der Bühne mit Rita Flubacher, die dieses Jahr den Zürcher Journalistenpreis für das Gesamtwerk erhält, als «die furchtloseste Wirtschaftsjournalistin weit und breit», wie Jürg Ramspeck in der Laudatio sagt (Fotos: Ann-Kathrin Schäfer/Werbewoche).

Die von Hannes Britschgi geleitete Jury des Zürcher Journalistenpreises hat den Preis fürs Gesamtwerk an Rita Flubacher vergeben. Die 1951 geborene Tages-Anzeiger-Redaktorin sei «die vermutlich furchtloseste Wirtschaftsjournalistin weit und breit», schreibt Jürg Ramspeck in seiner Laudatio. Als sie bei der Weltwoche gearbeitet habe, habe sie sich nicht gescheut, gegen die Hausbank des Verlegers zu schreiben. Über diesen Verleger, Werner K. Rey, habe sie auch ein Buch geschrieben, das zur «brillanten, messerscharfen Abrechnung mit Hybris und Spiegelfechterei in der Finanzwirtschaft» geraten sei. Rita Flubacher hat sich ausgezeichnet als eine genaue Rechercheurin, die es versteht, dem Publikum in einfacher Sprache wirtschaftliche Zusammenhänge und das Handeln der Exponenten verständlich zu machen.

Andrea Masüger, Präsident Stiftung Zürcher Journalistenpreis, begrüsst im Kaufleuten in Zürich Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien. «Der Begriff Fake-News hat dem Journalismus schlagartig aufgezeigt, welche Wirkung die gute alte und vergleichsweise harmlose Zeitungsente im Zeitalter von Social Media haben kann», so Masüger. «Diese Erkenntnis vermag die Gratiskultur und die Einstellung, dass News und journalistische Leistungen heute oft kostenloses Allgemeingut sind, vielleicht etwas zu relativieren.»

Mit dem Artikel «Blick in den Maschinenraum» ist NZZ-Autorin Anja Jardine nach Ansicht der Jury ein berührender Text über sich und ihre Familie gelungen, welcher ihre Erinnerungen nüchtern, zuweilen lakonisch, aber immer sehr präzis vermittle.

Jurymitglied Alain Zucker überreicht NZZ-Redaktorin Anja Jardine die Urkunde des Zürcher Journalistenpreis für Ihren Artikel «Blick in den Maschinenraum» über die grossen Themen Tod, Schmerz, Liebe und Leben. «Anja Jardine macht etwas, worüber Journalisten gerne die Nase rümpfen. Sie schreibt über sich selber, ihre Familie und erst noch in Ich-Form», so Zucker. «Viele nennen das Betroffenheitsjournalismus.» Anja Jardine aber schaffe es, «aus der eigenen Erfahrung das Allgemeingültige zu ziehen, alleine, indem sie präzis beschreibt, was passiert und wie sich das anfühlt.»

Daniel Ryser, Redaktor bei der WOZ, hat die Jury mit einer Recherche über den Werdegang des Schweizer Islamisten Qaasim Illi überzeugt. Illi werde mit grosser Erzählkunst enthüllt, heisst es in der Laudatio.

Jurypräsident Hannes Britschgi mit Daniel Ryser auf der Bühne, der für seine 100’000 Zeichen lange Reportage «Die Dschihadisten von Bümpliz» den Zürcher Journalistenpreis erhält. «Die Leichtigkeit, mit der Daniel Ryser die Hülle des Islamisten Qasim entfernt und den Weg zum Wirrkopf Illi findet und beschreibt, ist grosse Erzählkunst und eine erteilte Medienlektion. Denn wer nach 3000 vorangehenden Artikeln den Islamisten Illi gefürchtet hatte, empfindet nach Rysers Spurensuche eher Mitleid», heisst es in der Laudatio.

Annabelle-Redaktorin Claudia Senn wiederum hat mit Empathie, Unvoreingenommenheit und Akribie die Geschichte einer Frau erzählt, die ihr Kind entführte und deswegen ins Gefängnis musste.

Lisa Feldmann lobt die Geschichte «Sie nahm das Kind einfach mit», für die Annabelle-Redaktorin Claudia Senn den Zürcher Journalistenpreis entgegennimmt. «Claudia Senns Text hat die Kraft, uns zu empören», sagt Feldmann. «Unser Leben zu hinterfragen und unsere Gesellschaft infrage zu stellen. Das war schon immer die preiswürdige Qualität eines journalistischen Textes. In Zeiten wie diesen ist es die herausragende Leistung einer Autorin, die beweist, dass es sich eben doch lohnt, eine Geschichte ganz und gar zu lesen.»

An der Feier zur Preisverleihung, die am Dienstag, 16. Mai 2017, im Kaufleuten Zürich stattfand, nahmen zahlreiche prominente Gäste aus Wirtschaft, Medien und Politik teil. Die Festansprache zum Thema «Postfaktischer Bullshit: Über journalistische Qualität in der digitalen Welt» hielt Miriam Meckel, Herausgeberin der Wirtschaftswoche und Professorin für Medien und Kommunikations-management Universität St. Gallen.

Miriam Meckel, Herausgeberin der Wirtschaftswoche und Professorin für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Uni St. Gallen, referiert darüber, welche Rolle Journalismus zu Zeiten «postfaktischen Bullshits» einnehmen könnte. Die Aufgabe der Journalisten sei es heute, mit Professionalität, Relevanz und Beharren zu punkten – und mit transparenter Kommunikation zu zeigen, was Journalismus kann. «Journalismus wird wichtiger und nicht weniger wichtig zu Zeiten von Fake News», so die Expertin.

Der Zürcher Journalistenpreis, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Journalismus in der Schweiz, wird seit 1981 verliehen. Jeder der vier vergebenen Preise ist mit 10'000 Franken dotiert, die Beiträge und Spenden von Verlagen, Unternehmen und Institutionen möglich machen. Ausgezeichnet werden hervorragende und wegweisende Arbeiten und Gesamtwerke, die über einen Zeitungs-, Zeitschriften- oder Online-Kanal verbreitet werden. Dieses Jahr wurden 160 Arbeiten eingereicht.

Ausdehnung auf ganze Deutschschweiz

Zum 30-Jahr-Jubiläum der Stiftungsgründung «Zürcher Journalistenpreis» soll der Geltungsbereich des Preises ausgeweitet werden. War dieser bisher auf die Kantone Zürich und Schaffhausen beschränkt, so wird es ab dem kommenden Jahr möglich sein, journalistische Arbeiten aus der gesamten Deutschschweiz einzureichen. Der Stiftungsrat möchte damit die etwas enge Zentrierung auf Zürich aufgeben und auch Journalistinnen und Journalisten aus anderen Gegenden und Kantonen einbeziehen. Im Sinne einer bewährten Marke bleibt der Name «Zürcher Journalistenpreis» allerdings bestehen. Damit soll auch zum Ausdruck gebracht werden, dass die grösste Stadt der Schweiz nach wie vor auch die eigentliche Medienstadt darstellt. (aks/pd)

Fotos: Ann-Kathrin Schäfer/Werbewoche

 

Klein-Report, 16.5.2017

Medien / Publizistik

Rita Flubacher gewinnt Zürcher Journalistenpreis für ihr Gesamtwerk

Flubacher: «furchtlose Wirtschaftsjournalistin»

Die «Tages-Anzeiger»-Wirtschaftsjournalistin Rita Flubacher ist für ihr Gesamtwerk mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet worden. Für besonders gelungene Einzelarbeiten konnten an der Feier am Dienstag im Kaufleuten in Zürich NZZ-Reporterin Anja Jardine, WOZ-Redaktor Daniel Ryser und «Annabelle»-Redaktorin Claudia Senn den mit je 10 000 Franken dotierten Preis entgegennehmen.

Die 1951 geborene «Tages-Anzeiger»-Redaktorin Rita Flubacher sei «die vermutlich furchtloseste Wirtschaftsjournalistin weit und breit», sagte Jürg Ramspeck, auch als Stellvertreter Goethes in der Schweiz bekannt, in seiner Laudatio über Flubacher. Als die Journalistin bei der «Weltwoche» gearbeitet hat, wo Ramspeck Chefredaktor war, habe sich Flubacher nicht gescheut, gegen die Hausbank des Verlegers zu schreiben.

Über diesen Verleger, Werner K. Rey, habe sie auch ein Buch geschrieben, das zur «brillanten, messerscharfen Abrechnung mit Hybris und Spiegelfechterei in der Finanzwirtschaft» geraten sei. Rita Flubacher hat sich ausgezeichnet als «eine genaue Rechercheurin, die es versteht, dem Publikum in einfacher Sprache wirtschaftliche Zusammenhänge und das Handeln der Exponenten verständlich zu machen».

Mit dem Artikel «Blick in den Maschinenraum» ist Anja Jardine von der «Neuen Zürcher Zeitung» nach Ansicht der Jury ein «berührender Text über sich und ihre Familie» gelungen, der ihre Erinnerungen «nüchtern, zuweilen lakonisch, aber immer sehr präzis» weitergibt. 

Daniel Ryser, Redaktor bei der Zeitung «Die Wochenzeitung» (WOZ), hat die Jury mit einer Recherche über den Werdegang des Schweizer Islamisten Qaasim Illi überzeugt. Illi werde mit grosser Erzählkunst enthüllt, hiess es in der Laudatio. Und «Annabelle»-Redaktorin Claudia Senn hat «mit Empathie, Unvoreingenommenheit und Akribie» die Geschichte einer Frau erzählt, die ihr Kind entführte und deswegen ins Gefängnis musste.

Die Festansprache von Miriam Meckel stand ganz Strom der Fakten-Debatte. Die Herausgeberin der «Wirschaftswoche» und Professorin für Medien und Kommunikationsmanagement an der Uni St. Gallen sprach über «Postfaktischen Bullshit» und «journalistische Qualität in der digitalen Welt».

In der von Hannes Britschgi (Ringier) geleitete Jury sitzen Susan Boos («Wochenzeitung»), Alain Zucker («NZZ am Sonntag»), Lisa Feldmann («L’Officiel») und Hansi Voigt (ehemals Watson und «20 Minuten»).

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